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Montag, 11. Februar 2013

Selbstgemacht - Vom (Un-) Wert eines Ideals

In einer Sendung des Schweizer Fernsehens diskutierten  der Biochemiker und Trendforscher Stephan Sigrist und der Politische Ökonom Birger Priddat über die gesellschaftlichen Auswirkungen des zunehmenden Trends hin zum Selbermachen. 

Für Stephan Sigrist handelt es sich um mehr als nur einen Trend, wenn Menschen verstärkt das Bedürfnis verspüren, Dinge des täglichen Gebrauchs selbst herzustellen, wofür in der Schweiz und Deutschland die Heimwerkermärkte mit ihren steigenden Milliardenumsätzen Beispiel sind. 

Sind Heimwerkermärkte ein schon länger bekanntes Phänomen, da sind sich Priddat und Sigrist einig, bedeuten die neuen technologischen Entwicklungen, wie vor allem der Einsatz von 3D-Druckern für die heimische Produktion für Sigrist einen qualitativen Sprung. 
Dem widerspricht Priddat, indem er zunächst auf den Wert der Arbeitsteilung und Professionalisierung für die Industriegesellschaft verweist, der durch wachsenden Dilettantismus im Do-it-yourself ins Gegenteil aufgehoben würde. Auch hat er Probleme damit nachzuvollziehen, warum jemand, der wie er selbst, einen 8 bis 12 - Stundentag mit anspruchsvoller und erfüllender Arbeit verbringt, nach Feierabend die Arbeit noch fortsetzen will. Das wäre nur dann erklärlich, wenn die betreffende Person ihre Arbeit als nicht erfüllend empfinden würde. Dann jedoch wäre es ein verfälschtes Leben. Besser wäre es dann, die Passion nach Feierabend zum Haupterwerb zu machen. 
Sigrist stimmt Priddat zwar grundsätzlich zu, gibt jedoch zu bedenken, dass der Drang zum Selbermachen mehr als nur eine Laune ist, sondern auf ungenutztes Kreativpotenzial hinweist, dass die Unternehmen für sich nutzen sollten. Überdies hält er der Effizienz der Massenproduktion den Mehrwert des selbstgemachten Produkts in Form emotionaler Bindung entgegen. Konsumartikel lassen eine tiefere Bindung erst gar nicht entstehen, was zu weiterem Konsum führt und nicht nachhaltig ist. 

Mit den 3D-Druckern tritt für beide eine neue Konstellation ein, bestehend aus neuer Technologie und neuen Geschäftsmodellen. 
Die Möglichkeit, Produkte selbst mittels von anderen hergestellter 3D-Drucker zu gestalten hält Priddat gerade nicht für ein gelungenes Beispiel von Selbermachen. Weder die Produktion des Druckers noch seine Software seien den Anwendern ausreichend bekannt.
Für Priddat ist Selbermachen ein Art Sport und kreative Beschäftigung nach Feierabend mit der Tendenz zum Aktionismus. Muße und Entspannung nach vollbrachtem Tagwerk kann jedenfalls nicht entstehen, wenn nach Feierabend zwanghaft weiter produziert wird. Die Aussicht, in einem Flugzeug zu sitzen, dessen Teile in Heimarbeit hergestellt oder von einem Amateurpilot gesteuert wird, ist für beide nicht verlockend. Auch nicht die Landwirtschaft mit Tierzucht im eigenen Garten. Zukunft haben für beide neue Produktionsverfahren wie die Mass Customization, die individuelle Wünsche bei Ausnutzung industrieller Fertigungsmethoden mittels Plattformtechnologien ermöglicht. 

Beide sind sich auch darin einig, dass durch die neuen Technologien, wie dem 3D-Drucker, eine Experimentalkultur entstehen kann. Die Arbeit mit 3D-Druckern als gesellschaftliches Labor. 









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