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Donnerstag, 15. August 2013

Aldous Huxley im Fernsehinterview (1958) über die Bedrohungen der Freiheit

In einem Interview mit dem amerikanischen Fernsehen im Jahr 1958 gab sich Aldous Huxley besorgt über den wachsenden Verlust der Freiheit der Menschen, wie er ihn schon 1932 in seinem Buch Schöne neue Welt beschrieben hatte. 
Besonders problematisch daran ist, dass dieser Vorgang schleichend verläuft, durch, wie er in dem Interview sagt, impersonal forces and devices. Anders als bisher werden neue Diktaturen weniger über Terror und Gewalt als vielmehr indirekt mittels Propaganda und Hirnwäsche Macht ausüben. Weiteres Indiz für diese Entwicklung waren für Huxley die Bürokratien in staatlichen und privatwirtschaftlichen Organisationen, die ihre Machtbasis mittels der neuen Technologien sichern und ausbauen könnten. Die totale Überwachung schien schon damals zum Greifen nahe. 

Weitere Bedrohungen für die Freiheit sah Huxley in der Überbevölkerung, die totalitäre Regime bevorzugen würden, insbesondere in Entwicklungsländern, und in der Anwendung pharmazeutischer Drogen. Künftige Diktaturen würden daher versuchen, die Menschen mittels Psychologie zu beherrschen. 
Deswegen sei Prävention nötig. Eine Aufgabe, die vornehmlich der Erziehung zufällt, deren Ziel der mündige Bürger sein müsse. 

Huxley beklagte auch die Abhängigkeit der Präsidentschaftskandidaten im US-amerikansichen Wahlkampf von privaten Geldgebern und Marketingkampagnen. Dies führe zu einer Manipulation der Kandidaten und Wähler. Darüber hinaus würden die wahren Absichten und Kompetenzen der Politiker bis zur Unkenntlichkeit verwischt. Das amerikanische Wahlsystem, wie auch das der anderen westlichen Länder, hielt er daher für reformbedürftig. Nötig seien in Zukunft dezentralere Formen der politischen Mitwirkung der Bürger, ohne dabei explizit die direkte Demokratie zu erwähnen. 

Die Freiheit war für Huxley unabdingbar für jede Form von Produktivität und Kreativität. Dem schien damals die Sowjetunion zu widersprechen, der es trotz der stark eingeschränkten Freiheit ihrer Bürger gelang, wirtschaftlich, militärisch und technologisch mit dem Westen Schritt zu halten. Ursache dafür war für Huxley die große Freiheit, die die russischen Forscher genossen wie überhaupt der hohe Lebensstandard der Eliten. Deswegen prophezeite Huxley der Sowjetunion noch eine lange Lebensdauer. 

Heute sind wir schlauer .. 

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