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Sonntag, 15. Dezember 2013

Johann Gottlieb Fichte: Die Bestimmung des Menschen

Von Ralf Keuper

Johann Gottlieb Fichte verdankt seinen Aufstieg, wie der hörenswerte Beitrag Johann Gottlieb Fichte. Die Bestimmung des Menschen u.a. berichtet, vom Hirtenjungen zu einem der einflussreichsten Denker seiner Zeit einem glücklichen Zufall. 

Seitdem gilt er als der Begründer des deutschen Idealismus. Sein Denken übte nicht nur auf Philosophen wie Schelling, sondern auch auf Künstler und Literaten wie Hölderlin und Novalis eine nachhaltige Wirkung aus. Vor allem Fichtes Kühnheit beeindruckte seine Anhänger, weshalb er auch einer der umstrittensten Philosophen seiner Zeit war. Für Fichte besteht die Welt nur in unserer Vorstellung. Der Mensch ist demnach der Schöpfer der Welt. 

Aussagen, oder wie man heute sagen würde, steile Hypothesen wie diese mussten zwangsläufig die Kirchen und die staatliche Obrigkeit in Alarm versetzen. Die Kirche, weil sie hier eine Umkehr des Schöpfungsgedankens erkannte, die Obrigkeit, da sie hier ein Zuviel an Selbstbestimmheit und Freiheit  sah. 
Fichte machte es seinen Gegnern wegen seines ausgeprägten Hangs zur Starrsinnigkeit und Rechthaberei nicht leicht. Für ihn galt lange Zeit der Wahlspruch: 
Lieber mutig zugrunde gehen, als nachgeben. 
Erst relativ spät lernte Fichte die Philosophie Kants kennen, die ihn selbst zum Philosophen machte. Insbesondere die Gedanken Kants zur Freiheit des Menschen beeindruckten ihn. Allgemeine Auffassung bis dahin war, dass der Mensch nicht frei sein könne, da er den Naturgesetzten unterliege. 

Mit seiner Schrift Versuch einer Kritik aller Offenbarung die zunächst anonym erschien, wurde er einem breiten Publikum bekannt. Wegen der Nähe zu der Philosophie Kants, wurde dieser zuerst für den Verfasser gehalten. Als Kant die Urheberschaft öffentlich dementierte, wurde Fichte mit einem Schlag berühmt. Für Fichte erwächst die Religion aus der Moral. Die Offenbarung kann dabei helfen, die Moral zu stärken. 
Goethe verschaffte Fichte seine erste Professur in Jena. In dieser Zeit erschien sein Werk Grundlage der gesamten Wissenschaftslehre. Darin vertritt er die bereits erwähnte These, dass die Welt unsere eigene Schöpfung ist. Dabei geht Fichte über Kant hinaus. Kant war noch der Ansicht, dass wir die Welt, in der wir leben, nur zum Teil selbst hervor bringen. Fichte dagegen behauptet, dass die Freiheit auch für unser Erkennen gelten muss. Wir müssen annehmen, dass unsere Erkenntnis der Welt ganz aus uns selbst stammt. Denn, nur etwas, das wir erkennen können, kann für uns existieren. Die Welt wird durch den Menschen erschaffen. Das Ich des Menschen setzt sich, indem es sich seiner selbst bewusst wird, selbst. Das Nicht-Ich ist alles andere in der Welt außer dem Menschen. Von diesen Gedanken fühlten sich besonders Künstler angesprochen, da auch sie in ihren Werken eine eigene Welt schaffen. 

Sein aufbrausendes Temperament bereitete Fichte mit der Zeit auch in Jena Schwierigkeiten. Zuletzt revoltierten die Studenten offen gegen ihn. Goethe als sein Vorgesetzter sorgte für seine Entlassung. In der darauffolgenden Zeit sorgte Fichte mit seiner Rede an die Deutsche Nation für Aufsehen. Zu dieser Zeit erkrankte er an Typhus, woran er 1814 im Alter von 51 Jahren verstarb.

In seinen letzten Jahren wurde seine Philosophie milder, seine Temperamentsausbrüche ließen nach. Von nun an galt für ihn: 
Was für eine Philosophie man wählt hängt davon ab, was man für ein Mensch ist.
Daraus entstand sein letzten großes Werk Die Bestimmung des Menschen. Die reine Wissenschaft reicht ihm von nun an nicht mehr. Fichte beschäftigt sich intensiv mit der Frage des Glaubens. Ihm verlangt nach etwas außerhalb der Vorstellung und Wissenschaft liegendes. 
Wissen erlangen wird durch das Hineinhorchen in uns selbst. Der Mensch ist zum moralischen Handeln da - das ist der Sinn des Lebens. Auf die stimme des Gewissens zu hören, ist die einzige, die wahre Bestimmung des Menschen.
Die Moral führt uns über unser sinnliches Dasein hinaus. Das rein geistige Reich als moralische Welt. Wenn wir unserem Gewissen gehorchen, werden wir selbst ein Teil dieser Welt. Der Glaube an einen ewigen guten Willen ist gewisser Weise ein Glauben an Gott. Ich weiss, was ich wissen kann und was ich nicht wissen kann.

Rudolf Eucken, selbst ein bedeutender Vertreter des Idealismus, fasste Fichtes Werdegang und den seiner Philosophie in die Worte: 
Fichte ist durch sein ganzes Leben im Grunde seiner Seele sich selbst treu geblieben, aber seine anfängliche Lehre, die alles von der Bewegung des Ich ableiten wollte, hat später eine Milderung erfahren: von der bloßen Tätigkeit hat sich ein überlegendes Sein abgehoben; indem es damit zur Aufgabe wird, dieses lebendige Sein in der Tätigkeit darzustellen, wird diese ruhiger und innerlicher, auch dem Individuum überlegener. Auf diesem Boden erreicht die Religion eine größere Wärme und eine persönlichere Färbung, es gilt zum Gedeihen der einzelnen Stelle vor allem das rechte Verhältnis zum Ganzen zu finden, es entsteht eine moderne Mystik, die den Menschen das "Ewig Eine" als das allein Wesenhafte in seinem eigenen Leben und Tun erfassen heisst. (in: Die Lebensanschauungen der großen Denker)
Wilhelm Weischedel beschrieb den Wandel, und in gewisser Weise die Vollendung von Fichtes Philosophie wie folgt:
An die Stelle des absoluten Ich tritt so der absolute Gott. Das ist die große und entscheidende Kehre im Denken Fichtes. .. In diesem Gedanken des späten Fichte ist die Selbstherrlichkeit des absoluten Ich endgültig gebrochen. Aber nicht mit der Gewaltsamkeit des zerstörerischen Abbruches. Vielmehr in der stillen Weise, in der das Ich sich in die Gottheit als in seinen eigensten Ursprung versenkt und seine Freiheit in der Freiheit Gottes birgt: "Leben in Gott ist frei sein in ihm": das ist das letzte Wort der Philosophie Fichtes, des Rebellen der Freiheit. (in: 34 große Philosophen in Alltag und Denken. Die  philosophische Hintertreppe)

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