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Sonntag, 13. April 2014

Verdoppelung der Wirklichkeit (Ludwig Wittgenstein)

Wenn wir alle Dinge durch die gleiche Form darstellen, dann bilden wir sie eigentlich nicht mehr ab. Dann machen wir die Wirklichkeit gleichförmig. Die Gleich-förmigkeit macht die Wirklichkeit form-los, amorph. Die logische Form, d.h. das Gemeinsame zwischen Bild und Wirklichkeit ist hier auf das äußerste Minimum reduziert. Wir packen Strukturen, Beziehungen etc. ein und präsentieren sie bloß im verpackten Zustand. .. Wir können eine solche Methode dort verwenden, wo es nicht darauf ankommt, ob die Dinge amorph sind oder nicht. Aber selbst dann dürfen wir nicht vergessen, dass tatsächlich die verpackenden Begriffe ihre Bedeutung nur über Definitionen haben, mit denen sie eben solchermaßen einpacken. Wir müssen immer wieder, wenn wir die Verknüpfung mit der Wirklichkeit sehen wollen, die Begriffe, die in einer solchen Form stecken, auspacken. Tun wir dies nicht, so können die größten Verwirrungen entstehen. 
Quelle: Die grundlegenden Texte von Ludwig Wittgenstein, hrsg. von Gerd Brand 

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