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Dienstag, 25. Februar 2014

Albert Einsteins Erkenntnistheorie

Von Ralf Keuper

Dass Albert Einstein nicht "nur" ein genialer Physiker, sondern noch dazu ein großer (Wissenschafts-)Philosoph war, machen die verschiedenen Beiträge aus dem Buch Albert Einstein als Philosoph und Naturforscher deutlich.
Darin setzt sich eine illustre Schar herausragender Gelehrter und Denker des 20. Jahrhunderts mit der Bedeutung von Einsteins Forschungen für die Wissenschaft auseinander; darunter Louis de Broglie, Niels Bohr, Wolfgang Pauli, Max Born, Kurt Gödel, Max von Laue, die den naturwissenschaftlichen Part übernehmen, ebenso wie Hans Reichenbach, Walter Heitler, Victor F. Lenzen, F.S.C Northorp und Gaston Bachelard, die eine Bewertung aus philosophischer Perspektive vornehmen. Daneben kommt Albert Einstein selbst zu Wort.

In dem vorliegenden Beitrag geht es um die erkenntnistheoretischen Aspekte, die Albert Einstein bei seinen Forschungen geleitet haben, und über die er sich selbst mehrmals ausführlich in schriftlicher Form geäußert hat.

Eine besonders eindrückliche Beschreibung liefert Victor Lenzen in dem Beitrag Einsteins Erkenntnistheorie. Lenzen beschreibt den Werdegang des (Wissenschafts-)Philosophen Albert Einstein. Ausgehend vom Positivismus Ernst Machs und David Humes, gelangt Einstein mit der Zeit zu seiner eigenen Erkenntnistheorie. Zwar wendet er sich nicht völlig von Mach und Hume ab, weist aber in bestimmten Punkten nach, dass beide Denker noch in Kategorien dachten, die angesichts der Entdeckungen in der Physik um 1900, genannt sei das Wirkungsquantum von Max Planck, nicht mehr ausreichen:
Allerdings braucht die Erkenntnistheorie die Vollendung der neuen physikalischen Theorien nicht abzuwarten. Es mag da unveränderliche Prinzipien geben, so dass die wissenschaftstheoretische Analyse mit dazu beiträgt, die vorherrschenden Begriffe zu prüfen und die neuen physikalischen Theorien zu schaffen. Einstein hat erkannt, dass diese schöpferische Funktion der Wissenschaftstheorie ein wesentlicher Bestandteil in seinem eigenen schöpferischen Werk ist. ... Einstein erklärte, es sei darum keineswegs ein eitles Unterfangen, wenn wir uns der Analyse von Begriffen widmen, die uns schon lange geläufig sind, und aufzuzeigen, wovon ihre Rechtfertigung und Brauchbarkeit abhängt. Die allzu große Autorität altgewohnter Begriffe wird dann gebrochen: sie werden beiseite gestellt, wenn sie nicht als adäquat gerechtfertigt werden können, sie werden korrigiert, wenn ihre Beziehung zur tatsächlichen Erfahrung zu sorglos hingenommen wurde, oder sie werden durch andere Begriff ersetzt, wenn es möglich ist, ein neues System aufzustellen, das den Vorzug verdient.
Bei aller Bewunderung für Mach und Hume, lehnt Einstein eine empirische Begründung des Ursprungs der Begriffe ab:
Nach Einstein sind die Begriffe, die in unseren Gedanken und unseren sprachlichen Ausdrucksweisen auftauchen, logisch gesehen freie Schöpfungen des Denkens, die von Sinneserfahrungen auf induktivem Weg nicht abgeleitet werden können. Wie Plato betont Einstein die Kluft zwischen den Sinnesgegebenheiten und den Begriffen des Denkens. .. Die konstruktive Natur der Begriffe wird, wie Einstein sagt, nicht leicht bemerkt, weil wir die Gewohnheit haben, bestimmte Begriffe und begriffliche Beziehungen absolut mit gewissen Sinneserfahrungen zu verbinden. 
Ein weiteres zentrales Thema in Einsteins Erkenntnistheorie ist die "reale Außenwelt".
Der erste Schritt bei der Setzung einer "realen Außenwelt" ist die Schöpfung des Begriffs eines körperlichen Gegenstandes oder besser körperlicher Objekte verschiedener Art. Gewisse immer wiederkehrende Komplexe von Sinnesempfindungen werden aus der Fülle durch das reine Denken willkürlich ausgewählt, und ihnen wird der Begriff des körperlichen Objekts zugeschrieben. Einstein meint, dass, logisch betrachtet, der Begriff des körperlichen Gegenstandes mit der Totalität dieser Sinnesempfindungen nicht identisch, sondern als eine freie Schöpfung des menschlichen Geistes anzusehen ist.
Zu einer ähnlichen Bewertung von Einstein Erkenntnistheorie gelangt F.S.C. Northorp. 
Albert Einsein hat deutlich gesehen, dass es in der wissenschaftlichen Erkenntnis zwei Komponenten gibt: die eine ist mit positivistischer Unmittelbarkeit empirisch gegeben, die andere aber ist imaginativ und theoretisch gegeben und ihr Charakter ist völlig verschieden von der empirisch unmittelbaren.  
Bei aller Kritik am Positivismus, ganz aufgeben will und kann, so Northorp, auch Einstein ihn nicht:
Wenn auch die Positivisten mit ihrer rein empiristischen Theorie der Bedeutung in der empirischen Wissenschaft nicht recht haben, so haben sie doch mit ihrer Behauptung recht, dass philosophisch gültige Sätze auch wissenschaftliche verifizierbare Sätze sind. Wichtig ist also nicht, wo die Bedeutungen der wissenschaftlichen Begriff herkommen, sondern dass sie durch ihre deduktiven Folgerungen und die entsprechenden Korrelationen der Erkenntnis mit den empirischen Daten verifiziert werden, bevor jemand den Anspruch erhebt, dass sie als eine korrekte Bezeichnung der Natur der Dinge philosophische Gültigkeit haben. 
Die Einsteinsche Wissenschaftstheorie fusst laut Northorp auf zwei Komponenten: Einmal die empirische, die Begriffe partikularer, nominalistischer Art liefert, und zum anderen die formale, mathematische und theoretische. Letztere liefert universale Begriffe, welche ihre Bedeutung durch Postulate bekommen, die wiederum universale Sätze sind. An einer Stelle bezeichnet Einstein seinen Ansatz selbst als "Hypothetische Deduktion". 

Nachtrag:

Eine wichtige Ergänzung zu dem Buch Albert Einstein als Philosoph und Naturforscher ist Die Analogie - Das Herz des Denkens von Douglas Hofstadter und Emmanuel Sander. Darin gehen die Autoren in dem Kapitel Analogien, die die Welt erschütterten intensiv auf den, wörtlich, Denkstil Albert Einsteins ein. Einstein machte regen Gebrauch von Analogien - ohne sie, so Hofstadter und Sander - u.a. unter Berufung auf den Einstein-Biografen Banesh Hoffmann - hätte er seine Allgemeine und Spezielle Relativitätstheorie niemals formulieren können. 

Montag, 24. Februar 2014

Was ist eine Weltanschauung? (Romano Guardini)

Was meinen wir, wenn wir von Weltanschauung sprechen? Wir verstehen darunter eine Erkenntnisbewegung, die in ganz bestimmter Weise auf die Ganzheit der Dinge gerichtet ist, auf das "Welthafte" im Gegebenen. Ferner: Sie geht in besonderer Weise auf die konkrete Einmaligkeit dieser Welt; in ihr liegt ein letztes Standhalten gegenüber der umgebenden Wirklichkeit. Endlich: Der Akt der Weltanschauung bedeutet zugleich ein Werten, Messen und Wägen; er bedeutet die Stellungnahme zu einer Aufgabe, die dem Anschauenden von eben dieser Welt gestellt wird. Damit ist Weltanschauung gegen jenen Akt abgegrenzt, dessen Ergebnisse Gegenstand der Einzelwissenschaften und Philosophie sind. Andererseits aber: Wenn auch im Weltanschauungsakt außertheoretische Haltungen mitwirken, so geht doch seine Sinnrichtung auf die "Wahrheit". Es ist im Letzten ein schauendes, kein schaffendes Verhalten. In ihm handelt es sich um ein Erkennen, nicht um ein Tun. Damit ist der Akt der Weltanschauung abgegrenzt gegen das tätige Leben. 
Quelle: Vom Wesen katholischer Weltanschauung, in: Unterscheidung des Christlichen - Gesammelte Studien

Freitag, 21. Februar 2014

Nationale Stilarten im Fußball - Reflexionen zur Ästhetik des Sports am Beispiel Südamerikas (Hans Ulrich Gumbrecht)

Von Ralf Keuper

Am vergangenen Montag (17.02) hielt der bekannte Kulturwissenschaftler Hans Ulrich Gumbrecht auf Einladung der Gesellschaft für Westfälische Wirtschaftsgeschichte in der IHK zu Dortmund einen Vortrag mit dem Titel "Nationale Stilarten im Fußball - Reflexionen zur Ästhetik des Sports am Beispiel Südamerikas". 

These seines Vortrags war, dass Fußball aus Sicht der Zuschauer eine ästhetische Erfahrung ist, und nicht, wie Adorno und die Vertreter der Kritischen Theorie meinten, ein Mittel, um sich über den tristen Alltag hinwegzutrösten und in eine Scheinwelt zu flüchten. Fußball hat demnach auch eine intellektuelle Komponente. Seine Gedanken zur Ästhetik des Fußballs erläuterte Gumbrecht u.a. unter Rückgriff auf Immanuel Kant und Niklas Luhmann. Eng mit der Ästhetik verbunden sind Fragen des Stils und hier insbesondere, welche spezielle Merkmale einen Stil kennzeichnen. Kaum anderswo als in Südamerika lassen sich die verschiedenen nationalen Stile im Fußball besonders gut veranschaulichen.

Lange bevor Brasilien die Fußballwelt dominierte, versetzte die Nationalmannschaft Uruguays die Zuschauer und die Fachwelt in Entzücken. Einer der ersten Stars des Fußballs war Isabelino Gradín, der in Uruguay noch heute als Nationalheld verehrt wird. Das Gedicht Dynamische Verse auf Gradín, den Fußballspieler von Juan Parra del Riego muss jedes Schulkind in Uruguay lernen.  
Während der Fußball in Uruguay offensiv ausgerichtet war, bevorzugten die Nachbarn in Argentinien die defensive Variante. Wenngleich nationale Ereignisse und der Fußball häufig miteinander korrespondieren, ist es mitunter reine Spekulation, eine kausale Beziehung herzustellen. Gleiches gilt für den Einfluss kultureller Strömungen. Am ehesten träfe die Kultur-These noch auf Brasilien zu.  

Der brasilianische Soziologe Gilberto Freyre jedenfalls war 1938 davon überzeugt, dass der brasilianische Fußball-Stil Ausdruck der Kultur, Ethnologie des Landes war:
Unser Stil, Fussball zu spielen, unterscheidet sich, glaube ich, vom europäischen Stil durch mehrere typische Eigenschaften der Mulatten wie wir sie jetzt auch in der Politik sehen: durch die Fähigkeit zur Überraschung, die Eleganz, den Spielwitz, die Leichtigkeit und zugleich ihre individuelle Spontanität. (Quelle: Handout)
Ganz anders als in Uruguay, Argentinien und Brasilien verlief die Entwicklung in Chile. An sich kein kleines und auch kein armes Land, hatte sich in Chile eine gewisse "Underdog-Mentalität" verfestigt, die auch auf den Fussball ausstrahlte. Auch blieb hier die Professionalisierung im Sport weitgehend aus. Tonangebend waren und sind verschiedene Universitätsmannschaften. Überhaupt hat der Gedanke der Gleichheit auch im Fußball Vorrang, weshalb sich in Chile bis heute auch keine Stars entwickeln konnten. 
Stars und Protagonisten sind aber für den Stil eines Landes unabdingbar. Ohne herausragende Identifikationsfiguren verbleibt der Fußball auf einem relativ niedrigen Niveau. 
Vom Fußball nicht zu trennen sind soziale, schichtspezifische Faktoren. Viele Vereine Südamerikas repräsentierten das Gesellschaftsgefüge des Landes. So gab es Clubs der Oberschicht wie auch der "Normalen" Leute. 

Der Aufstieg der Fußballnation Brasilien begann erst mit dem Einsatz afro-brasilianischer Spieler.   
Als einer, wenn nicht - der, Höhepunkt des brasilianischen Fussballs gilt das Spiel gegen Italien während der WM von 1970. Der Spielzug, der zum 4:1 Endstand für Brasilien führte, gilt als einer der schönsten der Fußballgeschichte - zu Recht, worüber man sich selbst auf Youtube ab Minute 6 überzeugen kann: Sichere Ballführung und Ballannahme, Exzellente Übersicht und perfekter Abschluss. 
Spätestens seit 2002 ist die brasilianische Mannschaft auf der Suche nach einem neuen Stil. 

In Deutschland verfolgt die Nationalmannschaft seit einigen Jahren einen ungewohnt offensiven Ansatz. In Italien ist man dagegen der defensiven Spielweise treu geblieben. 
Als in Teilen bis heute noch prägende Stile im professionellen Fussball bezeichnet Gumbrecht das von Helenio Herrera bei Inter Mailand eingeführte Spielsystem des "Riegels" (Catenaccio), dessen Ursprünge in der Schweiz liegen, und den auf Rinus Michels zurückgehenden betont offensiven Total Football-Ansatz

Als seit Jahrzehnte typisch offensiv ausgerichtete Mannschaft bezeichnete Gumbrecht den BVB. 

Mit Blick auf die Zukunft stellt sich die Frage, ob wir eine Globalisierung, d.h. Angleichung der Fußball-Stile erleben werden, oder es künftig verschieden Stile geben wird, die auf ihre Weise zum Erfolg führen. 
Überhaupt wird dem Erfolg ein zu großer Wert beigemessen. Aus Sicht der Ästhetik sind schöne Spielzüge wichtiger als Tore, was sich natürlich nicht ausschließen muss, wie nicht nur das Beispiel Brasiliens während der WM 1970 zeigt, sondern auch das Halbfinal-Spiel Deutschland gegen Italien, ebenfalls während der WM 1970, das trotz der Niederlage Deutschlands, als "Jahrhundertspiel" gilt. 

Ebenfalls von Interesse ist die Frage, welchen Einfluss die Trainer auf die Stilentwicklung im Fußball (noch) haben werden.  

Weitere Informationen:

Vom Ursprung der Kultur im Spiel

Crosspost von Westfalenlob

Donnerstag, 20. Februar 2014

Walther Rathenau über seinen "Denkstil"

Mein Denken ist nicht enzyklopädisch gerichtet, sondern gefühlsmäßig; es ist mir weder um die Erschöpfung von Kategorien, noch um eine starke Mannigfaltigkeit zu tun, sondern um das, was mir jederzeit als das Wesentliche vorschwebt - , derselbe Grundsatz, der bei zeichnerischer Arbeit dem Weglassen und Abkürzen entspricht.
Quelle: Wirtschaft ist Schicksal

Sonntag, 16. Februar 2014

Albert Einstein über die heilige Neugier des Forschens

Es ist eigentlich wie ein Wunder, dass der moderne Lehrbetrieb die heilige Neugier des Forschens noch nicht ganz erdrosselt hat; denn dieses delikate Pflänzchen bedarf neben Anregung hauptsächlich der Freiheit; ohne diese geht es unweigerlich zugrunde. Es ist ein großer Irrtum, dass Freude am Schauen und Suchen durch Zwang und Pflichtgefühl gefördert werden könne.
Quelle: Autobiographisches, In: Albert Einstein als Philosoph und Naturforscher, hrsg. von Paul Arthur Schilpp 

Samstag, 15. Februar 2014

"Ich und Karl der Grosse. Das Leben des Höflings Einhard" von Steffen Patzold

Von Ralf Keuper

Dass Historiker Bücher schreiben können, die wissenschaftlich und unterhaltsam zugleich sind, beweist Steffen Patzold mit seiner Biografie von Einhard, der selber als Biograf Karls des Großen in die Geschichte eingegangen ist. 
Da die historische Quellenlage zu Einhards Leben vergleichsweise dünn ist, baut Patzold auf den wenigen Stücken seine Erzählung auf. Im Epilog stellt Patzold selber die Frage, ob die von ihm gewählte Vorgehensweise der eines seriösen Historikers würdig ist:
Darf ich das? Darf ich in Einhards Kopf kriechen? Darf ich seine Ideen und Gedanken zu lesen suchen? Darf ich seine Überzeugungen, Interessen, Motive zu kennen behaupten? .. Darf ich, ein Historiker im 21. Jahrhundert, das Leben eines Zeitgenossen Karls des Großen in solcher Weise erzählen? .. Der Held dieses Buches ist mein Geschöpf. Er kommt nicht ohne Voraussetzungen aus, die aus meiner Gegenwart erwachsen sind, aus meiner Lebenswelt im Deutschland des frühen 3. Jahrtausends. 
Da sage ich: Ja, darf er. 

War es je anders? Sind nicht die meisten Historiker, die Werke verfasst haben, die auch Jahrzehnte, Jahrhunderte später noch zu lesen lohnen, auf dieselbe Weise verfahren? Selbst bei Biografien zeitgenössischer Personen gelingt die Trennung zwischen "Dichtung" und "Wahrheit" wohl nur selten. Jeder Biograf interpretiert in die zu beschreibende Person immer auch seine spezifische Sicht mit hinein, die selber wiederum von der jeweiligen Zeitströmung beeinflusst wird. 
Das ist freilich kein Freibrief dafür, die Spekulationen ins Kraut schießen zu lassen und die reale Person gegen eine rein fiktive einzutauschen. 
Diesen Fehler hat Patzold m.E. nicht begangen.  

Das eigentlich Interessante an der Person von Einhard ist, dass wir es hier mit einem frühen Exemplar dessen zu tun haben, was wir heute als einen sozialen Aufsteiger bezeichnen würden. Von Geburt zwar nicht völlig unterprivilegiert, aber auch nicht aus der herrschenden Schicht stammend, gelang Einahrd sein Aufstieg zu einer der einflussreichsten Persönlichkeiten seiner Zeit fast ausschließlich durch seine Intelligenz. Diese wurde im Kloster Fulda, zu jener Zeit ein geistiges Zentrum in Franken, erkannt und gefördert. Ohne selber in den geistlichen Stand zu treten, eignete Einhard sich in Fulda Kenntnisse und Fertigkeiten an, die ihm später am Hof Karls des Großen in Aachen sehr zugute kamen. Da selbst die Geistlichen gegen Ende des 8. Jahrhunderts häufig nicht in der Lage waren, die lateinischen Texte fehlerfrei zu zitieren oder selber zu reproduzieren, rief Karl der Große eine, wie wir heute sagen würden, Bildungsinitiative aus. Einhard war einer der wenigen zu der Zeit, der über die nötige sprachliche Begabung verfügte, um den Fortschritt der Bildungsbemühungen beurteilen und überwachen zu können. So gelangte Einhard an den Hof Karls des Großen, der gerne helle Köpfe um sich sammelte. Im Lauf der Zeit wurde Einhard einer der wichtigsten Ratgeber des Kaisers. Er verstand es, die damals schon reichlich vorhandenen Klippen am Hofe zu umschiffen. Insofern ist Einhard das Paradebeispiel einer "Grauen Eminenz", wie sie von Alex Nathan beschrieben wurde. 

Erstaunlich ist, wie es Einhard gelang, über die Jahrzehnte seinen Einfluss auszubauen und bis zu seinem Tod auf konstantem Niveau zu halten, obwohl er sich gegen Ende seines Lebens offiziell aus der ersten Reihe in seine Heimat zurückzog. Brisant wurde seine Lage am Hof, als Ludwig der Fromme die Nachfolge Karls des Großen antrat. Einscheidende Ereignisse wie diese haben immer eine Machtverschiebung am Hof des Regenten zur Folge. Nicht selten verlieren die bis dahin tonangebenden Personen ihren Einfluss, oder gar ihr Leben. Wenn sie Glück haben, droht ihnen "nur" die Verbannung. So kam es, dass sich die Reihen der Weggefährten um Einhard lichteten und neue Akteure die Bühne betraten, ohne dass er selber ein Opfer des Wechsels wurde. Patzold schreibt diesen Umstand wohl zu Recht dem diplomatischen Geschick Einhards zu, d.h. Einhard vermied es, sich zu früh für eine Seite zu entscheiden, hielt sich somit alle Optionen offen, und selbst wenn er mal auf das falsche Pferd setzte, verstand er es, die Gunst des jeweils regierenden Königs/Kaiser zurückzugewinnen. Ein Grund dafür dürfte sein, dass Einhard aufgrund seiner Herkunft als kein ernstzunehmender Rivale angesehen wurde, der selber über genügend Macht, Geld und Einfluss verfügte, um die Machtbalance zu gefährden. Aber auch dann ist er eine für seine Zeit außergewöhnliche Persönlichkeit, die auch heute noch fasziniert, was in diesem Fall dem Erzähler, sprich Steffen Patzold zu danken ist. 

Das Buch von Patzold hat, neben einem ausgesprochen schönen Sprachstil, den Vorzug, dass die Kapitel vom Umfang her so gehalten sind, dass sie zum kontinuierlichen Lesen einladen, d.h. man verfällt nicht der Versuchung, alles in einem Rutsch zu lesen. 

Aber jede(r) so wie er oder sie mag. 

Weitere Informationen:

Die höfische Gesellschaft (Norbert Elias)

Vita Karoli - Aus dem Leben des Frankenkönigs





Montag, 10. Februar 2014

Die Theorie des Wirtschaftsstils (Arthur Spiethoff)

Von Ralf Keuper

Arthur Spiethoff stammte ursprünglich aus der Historischen Schule der Ökonomie um Gustav Schmoller. Anders als die Vertreter der Neoklassik, für die sich wirtschaftliches Handeln auf einige (zeitlose) Formeln und Modelle reduzieren lässt, vertrat die historische Schule die Ansicht, dass jede Ökonomie immer auch orts- und zeitgebunden ist. Jeder Versuch, die Ökonomie in eine allgemeingültige (reine) Theorie, ein Modell zu fassen, welche die historischen und gesellschaftlichen Einflussfaktoren weitgehend ausblenden, ist daher nur sehr bedingt geeignet, das Auf und Ab in der Wirtschaft zu erklären, geschweige denn halbwegs belastbare Prognosen liefern zu können. Spiethoff ging jedoch nicht so weit wie Schmoller u.a., Ökonomie vorwiegend historisch und kulturell aufzufassen, sondern baute in seine Anschauliche Theorie auch einige zeitunabhängige Elemente ein, wie sie für die Reine Theorie, als deren Vertreter Spiethoff u.a. Pareto, Menger, Schumpeter und Keynes nenntcharakteristisch sind. 
Spiethoff formte eine Theorie, welche die genannten Mängel der historischen Schule umgehen wollte, ohne sich jedoch in mathematischen Modellen zu verlieren. Ergebnis war der Wirtschaftsstil

Jede Epoche wird von einem besonderen Wirtschaftsstil geprägt. Dieser setzt sich zusammen aus einer bestimmten Konstellation der (Stil-)Elemente Wirtschaftsgeist, Natürliche und technische Grundlagen, Gesellschaftsverfassung, Wirtschaftsverfassung und Wirtschaftsverlauf. 

Auf Zustimmung stieß die Theorie des Wirtschaftsstils u.a. bei Joseph Schumpeter und Edgar Salin, die darin eine geglückte Synthese aus historischer und theoretisch-rationaler Vorgehensweise sahen. Insbesondere zu Salins Anschaulicher Theorie gibt es mehrere Berührungspunkte. Salin erwähnte Spiethoff in seinem Buch Geschichte der Volkswirtschaftslehre mehrmals.  

Ebenso wie Spiethoff gestand Salin der Mathematik wie überhaupt der Empirischen Forschung ihr Recht in der Ökonomie zu, lehnte jedoch ihren Alleinvertretungsanspruch ab. 

Für Salin erfüllten die, wie er sie nannte, rational-theoretischen Verfahren die Kriterien dessen, was Hans Albert später als Modellplatonismus der Ökonomie bezeichnen sollte:
Aber allerdings birgt das rational-theoretische Verfahren als solches die Gefahr in sich, dass gerade kleinere Geister, die es gern handhaben, sich immer stärker von der Realität entfernen und das Modell >theoretisch< bis zu einem Punkt verfeinern, an dem es nur noch Selbstwert, doch keinen Erkenntniswert besitzt und also letztlich wertlos wird. .. In diesem Punkt sind wir auch mit Eucken restlos einig, der den Krebsschaden aufdeckt .., dass >der Stachel konkreter Probleme und die Wucht geschichtlicher Tatsachen< von vielen Theoretikern nicht mehr empfunden wird und dass >die zunehmende Mathematisierung der ökonomischen Theorie< in gleicher Richtung wirkt. 
Dieser verkürzten Sicht hält Salin seine Anschauliche Theorie entgegen, der sich Spiethoff in weiten Teilen gedanklich verwandt fühlte:
Sowenig Gesamterkenntnis und Teilerkenntnis Gegensätze sind, sowenig sind dies >anschaulich< und >rational< in dem von uns geprägten Sinn. Vielmehr wie Gesamterkenntnis die Teilerkenntnis, wie Gesamtanschauung die Teilanschauung, wie Wesensdeutung Kausal- und Sinndeutung mitunter fasst, >so kann und muss jede richtige anschauliche Theorie auch die richtige rationale Theorie in sich enthalten<. Jede ökonomische Theorie ist also rational; aber die anschauliche Theorie ist auch-rational, nicht nur-rational. 
Spiethoff selber nannte als seine Vorbilder neben Gustav Schmoller, Max Weber, Friedrich List und Werner Sombart. Spiethoff bezeichnete seine Theorie auch als "Verbundtheorie", in der sich reine und anschauliche Theorie ergänzen. 
Von Sombart grenzt sich Spiethoff insofern ab, als dass er dem Stil gegenüber dem System den Vorzug gibt, da er ersteren für offener neuen Entwicklungen gegenüber hält. Außerdem haftet einem Stil schon qua definitionem zeitliche Bedingtheit an, währenddessen Systeme häufig die Tendenz haben, nach Absolutheit und Alleingültigkeit zu streben. 

Nachdem die Theorie des Wirtschaftsstils lange Zeit ein Schattendasein führte, beginnt sich die Forschung allmählich ihrer zu erinnern, wie u.a. Bertram Schefold in dem kürzlich erschienenen Band Handels- und Finanzgebaren in der Ägäis im 5. Jhd. v. Chr. 

Die Chancen stehen nicht allzu schlecht, dass dem Modellplatonismus der Ökonomie ein vielseitigerer Ansatz, wie der Wirtschaftsstil, zur Seite gestellt, ihn vielleicht sogar einmal ersetzen wird. Dafür muss die Theorie jedoch weiter entwickelt werden. Anknüpfungspunkte liefern die Geschichtstheorie von Reinhart Koselleck wie auch Theorien, welche das Wesen von Konjunkturzyklen bzw. Blasen beschreiben. Erinnert sei in dem Zusammenhang u.a. an Hyman Minsky
Aus erkenntnistheoretischer Sicht bietet sich die Philosophie des Kritischen Realismus nach Nicolai Hartmann an. 

Weitere Informationen:




Freitag, 7. Februar 2014

Leben in Sinnbezügen und geistige Selbstbejahung (Paul Tillich)

Jeder, der schöpferisch in Sinnbezügen lebt, bejaht sich selbst, indem er an diesen Sinnbezügen teilhat. Er bejaht sich als einer, der die Wirklichkeit schöpferisch aufnimmt und verwandelt. Er liebt sich als einen, der am geistigen Leben teilhat und dessen Inhalte liebt. Er liebt sie, weil er sich in ihnen erfüllt und weil sie durch ihn verwirklicht werden. .. Dies ist, was man "geistige Selbstbejahung" nennen kann.  ...
Die Angst vor der Sinnlosigkeit ist die Angst vor dem Verlust dessen, was uns letztlich angeht, dem Verlust eines Sinns, der allen Sinngehalten Sinn verleiht. Diese Angst wird durch den Verlust eines geistigen Zentrums erzeugt, durch das Ausbleiben einer Antwort auf die Frage nach dem Sinn der Existenz, wie symbolisch und indirekt diese Antwort auch sein mag.
Quelle: Der Mut zum Sein

Mittwoch, 5. Februar 2014

Die Ungeduldigen (Friedrich Nietzsche)

Gerade der Werdende will das Werdende nicht: er ist zu ungeduldig dafür. Der Jüngling will nicht warten, bis, nach langen Studien, Leiden und Entbehrungen, sein Gemälde von Menschen und Dingen voll werden: so nimmt er ein anderes, das fertig dasteht und ihm angeboten wird, auf Treu und Glauben an, als müsse es ihm die Linien und Farben s e i n e s Gemäldes vorweg geben, er wirft sich einem Philosophen, einem Dichter ans Herz und muss nun eine lange Zeit Frondienste tun und sich selber verleugnen. Vieles lernt er dabei: aber häufig vergisst ein Jüngling das Lernens- und Erkenntniswerteste darüber  - sich selber; er bleibt zeitlebens ein Parteigänger. Ach, es ist viel Langeweile zu überwinden, viel Schweiß nötig, bis man seine Farben, seinen Pinsel, seine Leinwand gefunden hat! - Und dann ist man noch lange nicht Meister seiner Lebenskunst - aber wenigstens Herr in der eigenen Werkstatt.
Quelle: Menschliches, Allzumenschliches 

Sonntag, 2. Februar 2014

Eine schlanke, bewegliche Geisteswissenschaft im Zeitalter der "Exzellenz-Cluster"

Eine schlanke, bewegliche Geisteswissenschaft im Kreis der Wissenschaften, fähig auch noch an der kleinsten Universität bei günstiger Konstellation und zureichender Grundausstattung Höchstleistungen hervorzubringen, war und ist eine spezifische Chance der deutschen Universität, die heute aus dem Blick zu geraten droht. Die Züchtung vor Fett wabernder Exzellenzmonster, die wie Milchkühe Spitzenleistungen absondern, ist eine Phantasie von Wissenschaftsmanagern, die dem Geist der deutschen Universität zuwiderläuft.
Quelle: Karlheinz Stierle in der der FAZ vom 22.07.2009 in dem Beitrag "Die Gruppe Poetik und Hermeneutik"

Weitere Informationen:

Offene Dialoge und Kunstwerke

Oskar Kokoschka (Filminterview)


Ein sehenswertes Filminterview mit dem Maler und Schriftsteller Oskar Kokoschka mit Aussagen, die es verdienen, festgehalten zu werden, wie u.a:
Der Mensch geht in der der Kunst immer wieder unter. .. Geht zurück zu den Menschen, da sind wir zuhaus. .. Man kann nicht aufhören, den Menschen zu studieren. 
Der Raum ist eine Projektion der menschlichen Phantasie. .. Der mensch ist nicht die Oberfläche. .. Überall dieselbe Konformität, Mentalität. .. 
Der einzige Mensch, der sehen kann, was geschieht, der warnen kann, ist der bildende Künstler. Deswegen bin ich in ständiger Rebellion und unmodern. Sehen heisst erleben. Wer sieht, erlebt, wenn er bewusst sieht. 
Ich war immer ein freier Mensch. Freiheit war für mich immer, mich selbst zu erkennen. ..
Die wichtigste Figur ist die Freiheit - es gibt keine Freiheit für alle - es gibt nur die individuelle Freiheit- die muss man sich erkämpfen, für die muss man leben.



Samstag, 1. Februar 2014

Der Erste Weltkrieg - einfach so passiert?

Von Ralf Keuper

Spätestens seit dem Buch Die Schlafwandler des australischen Historikers Christopher Clark bewegt die Frage der Kriegsschuld die Gemüter. 
Die Zeit scheint gekommen zu sein, die These von der Hauptschuld des Deutschen Reiches am Ausbruch des 1. Weltkrieges, die Fritz Fischer bereits in den 1960er Jahren formulierte, in ein anderes Licht zu rücken. 
Demnach sind die Nationalstaaten Europas synchron in die "Ur-Katastrophe" des 20. Jahrhunderts geschlittert; eine Auffassung, die sich schon während der 1920er Jahre zu verbreiten begann. Einen Allein- oder Hauptschuldigen gebe es daher nicht.

Auch Herfried Münkler äußert sich in einem Interview mit der FAZ zu der Schuldfrage ähnlich wie Clark (ebenso Helmuth Kiesel). Laut Münkler wurde der Einfluss des Militärs auf die Politik des Kaiserreiches bisher überschätzt. So habe Reichskanzler Bethmann-Hollweg quasi bis zuletzt gehofft, den Krieg vermeiden zu können. Erst als er über einen Spion von den britisch-russischen Marinegesprächen erfuhr, deren Existenz ihm auf Nachfrage beim englischen Außenminister Grey geleugnet wurde, habe er seine Haltung geändert. 

Demgegenüber weist Wolfram Wette darauf hin, dass sowohl das Militär als auch die politische Führung bereits Jahre vor 1914 gezielt auf den Krieg hingearbeitet haben; eine Position, die auch Sebastian Haffner vertrat, und für die es nach wie vor eine erdrückende Anzahl von Belegen gibt, wie u.a. aus dem Dokumentationsfilm Der letzte Tanz des Kaisers hervorgeht. Darin sagt der Historiker John Röhl, dass der Kaiser sich bereits im November 1912 für den Krieg entschieden hatte und nur noch den Zeitpunkt offen ließ. 
In den letzten zwei Jahren vor 1914 wurden sowohl in Großbritannien als auch in Deutschland geheime Treffen zur Kriegsvorbereitung abgehalten. Den entscheidenden Zug machte jedoch das Deutsche Kaiserreich. Nah an dieser Position bewegt sich Gordon A. Craig in seinem Werk Über die Deutschen in dem Kapitel Militär. 

Das Vorgehen der deutschen Militärführung stützte sich auf den aus dem Jahr 1905 stammenden Schlieffen-Plan. Dieser sah vor, einen langandauernden Zwei-Frontenkrieg zu verhindern, indem Frankreich quasi im Eilverfahren besiegt werden sollte, um sich dann Russland zuzuwenden. Leider hatte der Plan einen kleinen Schönheitsfehler, da er den Durchmarsch durch Belgien beinhaltete. Nur stand Belgien im Jahr 1914, anders als noch 1905, unter dem Schutz von Großbritannien, das in diesem Fall zu einem Kriegseintritt gezwungen war. Trotz dieser neuen Ausgangslage hielt die deutsche Militärführung blind an dem Schlieffen-Plan fest, was nicht wenige, wie beispielsweise Sebastian Haffner, für den entscheidenden Fehler hielten, was er m.E. auch war bzw. ist. Haffner schreibt:
Wie war das möglich? Die Antwort, die fast unglaubliche Antwort, ist, dass der deutsche Generalstab für einen europäischen Zwei-Fronten-Krieg im Jahre 1914 keinen anderen Plan besaß als den sogenannten Schlieffenplan, der im Osten die Defensive und notfalls sogar den Rückzug vorsah, im Westen aber die Offensive zur schnellen Niederwerfung Frankreichs, und zwar unter Verletzung der von England, übrigens auch von Deutschland, garantierten Neutralität Belgiens. Ohne jede Rücksicht auf die politische Lage musste Deutschland also, nach dem Willen seines Generalstabs, im Falle eines Krieges das Schwergewicht seiner Kriegsführung in den Westen legen und England in den Krieg hineinziehen. Einen anderen Krieg als einen Westkrieg gegen England und Frankreich konnte Deutschland 1914 gar nicht führen; es hatte sich selbst jede andere Möglichkeit abgeschnitten. (in: Die sieben Todsünden des Deutschen Reiches im Ersten Weltkrieg)
Nach dieser Weichenstellung waren alle weiteren Anstrengungen des deutschen Heeres nur noch ein Aufbäumen gegen die sichere Niederlage. 
Sie war alleine schon deshalb unausweichlich, da Deutschland über kurz oder lang nicht die ausreichende Menge an Soldaten, Material und vor allem: Nahrung hatte, um einen langandauernden Krieg durchstehen zu können; ein Punkt, den u.a. Martin van Creveld in seinem Buch Die Gesichter des Krieges oder Felix Somary in seinen Erinnerungen aus meinem Leben hervorheben. Ähnlich äußert sich Herfried Münkler in dem erwähnten Interview.

Es führt daher kein Weg an der Erkenntnis vorbei, die Haffner in die Worte fasste:
Entscheidende Fehler im gesamtstrategischen Konzept sind durch noch so glänzende Detailleistungen im operativen Bereich nicht wieder einzuholen. (ebd.)
Das gilt übrigens nicht für für die Militärstrategie.  

Für gewagt halte ich die Aussage Münklers, der deutsche Wohlfahrtsstaat sei erst 1918 als Folge des Krieges entstanden. Diese Sicht entspricht nicht den Tatsachen, da nach allgemeiner Auffassung die Geburtsstunde der Deutschen Sozialversicherung im Jahr 1883 noch unter Bismarck schlug. 

Sicherlich tragen die Schriften von Clark und Münkler dazu bei, ein differenzierteres Bild der Zeit vor dem Ausbruch und während des 1. Weltkrieges zu zeichnen. Ebenso trifft Deutschland nicht die alleinige Schuld am Ausbruch des 1. Weltkrieges - die Hauptschuld liegt allerdings beim Deutschen Reich. Hier ist die Faktenlage nach wie vor eindeutig; da hilft kein Relativieren. Ein große Mitverantwortung am Ausbruch des 1. Weltkrieges trägt auch, was gerne übersehen wird, Österreich-Ungarn unter Kaiser Franz-Joseph I. . Ohne sein Ultimatum wäre die Kettenreaktion ausgeblieben. Allerdings wurde er von seinem Außenminister getäuscht, der dem zögernden Kaiser von einem serbischen Angriff berichtete, der nie stattfand. 
Ob es nicht trotzdem irgendwann zu einem Krieg gekommen wäre, steht auf einem anderen Blatt. 

Nachtrag:

In der SZ vom 05.03.2014 macht der bereits erwähnte John Röhl in dem Beitrag Der Wille zum Angriff noch einmal klar, dass die von Clark und Münkler vorgebrachten Argumente nichts an der erdrückenden Faktenlage ändern: 
Dies ist eine nicht unbedenkliche Entwicklung, denn seit den bahnbrechenden Arbeiten von Fritz Fischer und Imanuel Geiss, die mit unwiderlegbaren Dokumenten aus den Archiven das Ausmaß der Kriegsziele des kaiserlichen Deutschland offenlegen, herrscht in der internationalen Forschung Übereinstimmung über die führende Rolle, die die Berliner Regierung bei der Verursachung des Weltkriegs gespielt hat. 
Röhl führt in dem Beitrag mehrere Beispiele an, die diese Sichtweise stützen. 

Eine andere Sicht vertritt der Autor im letzten Drittel der Filmdokumentation 1914 Die Ursachen des ersten Weltkrieges und der Schlieffenplan. Dagegen wiederum: Der Weltkrieg beginnt - Wie Europa ins Unglück stürzte I DER ERSTE WELTKRIEG - Woche 1

Weitere Informationen:


Freiburger Historiker schreibt Standardwerk zum Ersten Weltkrieg











Die Kontinuität der Kriegspartei

Deutsche Kriegslügen