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Freitag, 23. Mai 2014

Programmierer - Stiefkinder der Sozialgeschichte?

Von Ralf Keuper

Programmierer bzw. Softwareentwickler sind, wie wohl jeder, der als Nicht-Informatiker mit ihnen zu tun hat(te), eine Spezies für sich, was keinesfalls abwertend gemeint ist, ist doch jede Berufsgruppe auf ihre Art speziell. 
Allerdings hat sich die sozialwissenschaftliche Forschung wie auch die Literatur bisher kaum mit der Zunft der Informatiker beschäftigt, was bei der Bedeutung der IT für unseren Alltag und die Wirtschaft überrascht. Ein Missstand, auf den Arne Janning in seinen Notizen zu einer Sozialgeschichte der Programmierung hinweist. Janning bemängelt u.a., dass zwischen den Softwareentwicklern und dem Management noch immer ein Graben, ein Verständigungsproblem besteht. Während die Entwickler, hemdsärmelig, lieber gleich programmieren, als sich mit Modellen, Datenbankarchitekturen oder, ganz Meta, der Enterprise Architecture aufzuhalten, will das Management zunächst das Big Picture festlegen. Hier prallen zwei Welten, zwei Denkstile aufeinander.
Im Grunde genommen geht es bei diesem Konflikt auch um die Frage, ob und inwieweit die Softwareentwickler ihre (kleinen) Freiheiten bewahren können und nicht dem Fordismus bzw. Taylorismus in der Softwareindustrie zum Opfer fallen. Bisher sind alle Versuche, die Prinzipien der Massenfertigung auf die Softwareentwicklung zu übertragen, weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Allenfalls beim automatisierten Testen sind Erfolge festzustellen, sofern es denn eingesetzt wird. 
Das alles legt die Vermutung nahe, dass es sich bei der Programmierung um eine Tätigkeit handelt, die sich dem reinen ökonomischen Effizienzdenken entzieht. Fast hat man den Eindruck, dass es sich hier um eine der letzten Bastionen schöpferischen Arbeitens im Zeitalter der Angestellten handelt. 

Eines der wenigen mir bekannten Bücher, das sich erzählerisch mit der Welt der Programmierer beschäftigt, ist Close to the machine. Mein Leben mit dem Computer von Ellen Ullman. 
Den Rang eines Klassikers hat The Mythical Man-Month. Essays on Software Engineering von Frederick. P. Brooks. Eine der zentralen Aussagen darin lautet:
Since software construction is inherently a system effort - an exercise in complex interrelationships - communication effort is great, and it quickly dominates the decrease in individual task time brought about by partitioning. Adding more man then lengthens, not shortens, the schedule.
Der Befund gilt unverändert. 

Sicherlich ist die Entwicklung seitdem nicht stehen geblieben; es hat nicht an Versuchen gefehlt, das von Brooks beschriebene Dilemma mit neuen Arbeits - und Programmiermethoden zu beheben - von der Objektorientierung über Open Source bis zur agilen Softwareentwicklung. Hervorzuheben ist u.a. der Essay Die Kathedrale und der Basar von Eric S. Raymond und Pattern Language von Christopher Alexander u.a.. Gelöst ist das Problem aber bis heute nicht. 

Janning führt diese unbefriedigende Situation auf den Einfluss der Literaturtheoretiker und Hermeneutiker wie Friedrich Kittler zurück. Für sie materialisieren sich in der Software ebenso wie in den Rechner- und Datenbankstrukturen die gesellschaftlichen Reproduktionsmechanismen bzw. Diskurse. Benötigt wird, so Janning, ein Realismus-Turn. Also weg von den Höhen der Abstraktion in den "dramatischen Reichtum der konkreten Welt" (Helmut Pape).

Bisher hat die Sozialgeschichte das Potenzial, die Bedeutung der Softwareindustrie für ihr Fach nicht erkannt. Und das, obwohl sich hier die Paradigmen, die Methoden ständig wandeln und das Verhalten der Maschinen ebenso wie der Menschen, in einem nicht unerheblichen Umfang, beeinflussen. 

Weitere Informationen:

Arne Janning & Kathrin Passig. Notizen zu einer Sozialgeschichte der Programmierung (II)

Programmieren ist ein Handwerk

Oracle hat Java nicht getötet. – Noch nicht?

Programmieren: Kunst oder Handwerk?

Dienstag, 20. Mai 2014

Hypothesen sind Netze ... (Novalis)

Hypothesen sind Netze, nur der wird fangen, der auswirft.
Ist nicht Amerika selbst durch Hypothese gefunden?
Hoch und vor allem lebe die Hypothese - nur sie bleibt 
Ewig neu, so oft sie sich selbst auch nur besiege.
Quelle: Novalis für Gestresste. Ausgewählt von Ursula Michel-Wenz 

Montag, 19. Mai 2014

Die Entropie >von innen gesehen< (Viktor Frankl)

Wahrscheinlich haben wir alle, auf Grund unserer einseitigen naturalistischen Schulung, einen viel zu großen, einen übertriebenen Respekt vor den Ergebnissen der exakt-wissenschaftlichen Forschung, vor den Inhalten des physikalischen Weltbildes. Haben wir aber wirklich einen Wärmetod oder >Weltuntergang< insofern zu fürchten, als eine schließliche Katastrophe von kosmischen Ausmaßen unsere und der noch folgenden Generationen Bemühungen sinnlos machen könnte? Belehrt uns nicht vielmehr die >innere Erfahrung< des theoretisch unvoreingenommenen schlichten Erlebens darüber, dass z.B. die selbstverständliche Freude an einem schönen Sonnenuntergang irgendwie >realer< ist als etwa eine astronomische Berechnung des vermutlichen Zeitpunktes, an dem die Erde in die Sonne fallen würde? Kann uns etwas unmittelbarer gegeben sein als unsere Selbsterfahrung - das Selbstverständnis unseres Mensch-seins als Verantwortlich-seins? >Das Gewisseste ist das Gewissen<, hat jemand einmal gesagt, und keine Theorie vom physiologischen >Wesen< gewisser Erlebnisse, auch nicht die Behauptung, dass Freude ein ganz bestimmt arrangierter Tanz von Molekülen oder Atomen oder Elektronen innerhalb der Großhirnganglienzellen sei, war je so zwingend und überzeugend - wie eines Menschen, der höchsten Kunstgenuss oder reinstes Liebesglück erlebt, Gewissheit, dass sein Leben sinnvoll ist. 
Quelle: Viktor E. Frankl: Der Mensch vor der Frage nach dem Sinn

Sonntag, 18. Mai 2014

Die Wissenschaft zerlegt die Wirklichkeit nur, um sie besser beobachten zu können ... (Marc Bloch)

Die Wissenschaft zerlegt die Wirklichkeit nur, um sie besser beobachten zu können; sie bedient sich dazu einer Batterie von Scheinwerfern, deren Strahlen einander ständig kreuzen und durchringen. Gefährlich wird es nur dann, wenn jede Lichtquelle behauptet, alles beleuchten zu können, wenn jeder Wissensbezirk sich für das Ganze hält. 
Quelle: Apologie der Geschichtswissenschaften, oder Der Beruf des Historikers

Samstag, 17. Mai 2014

Fatalismus, oder: Schwäche ist ein Produkt der Entschuldigung der Schwäche (Alain)

Nichts von allem, was man getan hat, ist so gut, dass man darauf ausruhen, oder so schlecht, dass man es nicht retten könnte. Ich möchte sogar meinen, dass ein günstiger Start es einem schwerer macht als ein ungünstiger. Die schönen Gaben, die einem die Fee in die Wiege gelegt hat, sollten ihn misstrauisch machen. Was ich an einem Michelangelo bewundere ist der ungestüme Wille, mit dem er sein natürliches Talent in die Hand nimmt und sich schwer macht, was ihm leichtfiel. Er hatte bereits weiße Haare, als er sich, wie er sagte, noch einmal auf die Schulbank setzte und etwas zu lernen versuchte. Sein Beispiel zeigt den Unentschlossenen, dass zum Wollen immer noch Zeit ist. Würde ein Seemann einen nicht auslachen, wenn man ihm erzählte, das Schicksal der ganzen Überfahrt hinge von der ersten Ruderbewegung ab?
Gleichwohl versucht man das den Kindern einzureden; glücklicherweise hören sie kaum hin; sie haben immer noch zuviel hingehört, wenn sich danach in ihnen die metaphysische Idee festsetzt, sie seien nun ihr ganzes Leben lang auf das Thema b a festgelegt. Zuerst schadet ihnen diese verhängnisvolle Idee nicht, wohl dagegen später, denn Schwäche ist ein Produkt der Entschuldigung der Schwäche. Das Schicksal hat ein Medusenantlitz. 
 Quelle: Alain: Die Pflicht glücklich zu sein. 

Mittwoch, 14. Mai 2014

Ein wahrer Forscher wird nie alt (Novalis)

Ein wahrer Forscher wird nie alt, jeder ewige Trieb ist außer dem Gebiete der Lebenszeit, und je mehr die äußere Hülle verwittert, desto heller und glänzender und mächtiger wird der Kern.
Quelle: Novalis für Gestresste - Ausgewählt von Ursula Michels-Wenz

Montag, 12. Mai 2014

Gruppendenken (Doris Lessing)

Der ganze äußere Druck, unter dem wir stehen, besteht fast ausschließlich aus Gruppenglauben, Gruppenbedürfnissen, nationalen Bedürfnissen, Patriotismus und Anforderungen an die örtliche Autorität, wie zum Beispiel gegenüber einer Stadt oder allen möglichen lokalen Gruppen. Aber subtiler und anspruchsvoller - gefährlicher - ist der Druck von innen, der fordert, dass du dich anpassen sollst, und dieser ist am schwierigsten zu beobachten und zu kontrollieren, wenn überhaupt. 
Quelle: Mit leiser persönlicher Stimme. Essays

Sonntag, 11. Mai 2014

Das Teleskop und die lange Entdeckung der Unendlichkeit (Richard Panek)

Zwar hatte die jeweils gerade verfügbare Teleskoptechnologie dem Erkenntnisdrang immer Grenzen gesetzt, doch die Beobachter selbst hatten diese Grenzen auch immer dazu benutzt, ihr gerade aktuelles Weltbild zu bestätigen - selbst wenn sie zur gleichen Zeit schon an der Überwindung dieser Grenzen arbeiteten. Die Grenzen des Gallileischen Fernrohrs bestätigten, was die Astronomen des 17. Jahrhunderts wußten: daß Galliliei schon alles gesehen hatte, was zu sehen sich lohnte. Ähnlich hatten die Grenzen des Keplerschen Fernrohrs bestätigt, was die Astronomen des 18. Jahrhunderts wußten: daß die Sterne keine Überraschungen bargen. Jetzt, als Folge der Neuen Astronomie des unsichtbaren Lichts, von der Revolution der dunklen Materie ganz zu schweigen, stellte sich heraus, daß das Instrument selbst in jeder seiner Verkörperungen seine eigenen inhärenten Gesetze besaß, die sich nicht nur jeweils auf die Fragen auswirkten, was man erwarten oder wonach man suchen sollte, sondern auch darauf, >wie< man suchen sollte - also nicht nur die erwartete Information an sich beeinflußte, sondern die Natur der Information selbst. ...
Jedesmal, wenn wir wieder einmal nicht herausfinden konnten, was dort jenseits der uns gesetzten Grenzen war, jedesmal wenn sogar unsere Phantasie versagte, lag das nicht nur an fehlender Technologie und Information, sondern daran, dass wir uns selbst noch nicht über unsere eigenen geistigen Beschränkungen, unsere Vorurteile und vorgefassten Meinungen im klaren waren, die unseren Blick nur allzu oft versperrten.
Quelle: "Das Auge Gottes - Das Teleskop und die lange Entdeckung der Unendlichkeit" von Richard Panek

Samstag, 10. Mai 2014

Die schöpferische Peripherie (Egon Friedell)

Dass aber diese große Bewegung (Reformation) nicht von dem gelehrten Paris, dem glänzenden Rom oder dem weltbeherrschenden Madrid ihren Ausgang nahm, sondern von der armseligen, eben erst gegründeten Universität Wittenberg, beruht auf der sonderbaren historischen Tatsache, dass es fast immer die Peripherie ist, die die neuen schöpferischen Kräfte entbindet und die bedeutenden geistigen Umwälzungen inauguriert. Auch das Christentum ist in einer verachteten kleinen Provinz des römischen Weltreichs geboren worden, der mosaische Monotheismus ist fern von  den großen orientalischen Metropolen ans Licht getreten und der Mohammedanismus hat in der arabischen Wüste seinen Siegeslauf begonnen.
Quelle: Kulturgeschichte der Neuzeit

Samstag, 3. Mai 2014

Die Ergebnisse der Philosophie erscheinen auf eine gewisse Art immer trivial (Ludwig Wittgenstein)

In der Grammatik wird nichts >Neues< entdeckt. Wir können nur aufdecken und klar aussprechen, was wir immer schon unbewusst getan haben. Wenn einmal das erlösende Worte gefunden ist, gibt es doch keine Überraschung. Wir haben das Gefühl: Das hast du ja schon längst gewusst! Die Ergebnisse der Philosophie erscheinen also auf gewisse Art immer trivial. 
Quelle: Die grundlegenden Texte von Ludwig Wittgenstein, hrsg. von Gerd Brand 


Des Menschen größtes Verdienst (Johann Wolfgang von Goethe)

Des Menschen größtes Verdienst bleibt wohl, wenn er die Umstände so viel als möglich bestimmt und sich so wenig als möglich von ihnen bestimmen lässt. Das ganze Weltwesen liegt vor uns, wie ein großer Steinbruch vor dem Baumeister, der nur dann den Namen verdient, wenn er aus diesen zufälligen Naturmassen ein in seinem Geiste entsprungenes Urbild mit der größten Ökonomie, Zweckmäßigkeit und Festigkeit zusammenstellt. Alles außer uns ist nur Element, ja ich darf wohl sagen, auch alles an uns; aber tief in uns liegt die schöpferische Kraft, die das zu erschaffen vermag, was sein soll, und uns nicht ruhen und rasten lässt, bis wir es außer uns oder an uns, auf eine oder die andere Weise, dargestellt haben. 
Quelle: Goethe. Lektüre für Augenblicke. Gedanken aus seinen Werken, Briefen und Gesprächen, hrsg. von Gerhart Baumann

Donnerstag, 1. Mai 2014

Klarheit, Ordnung und Übersichtlichkeit (Ludwig Wittgenstein)

Daher ist das Wichtigste, was wir anstreben, Klarheit, Ordnung und Übersichtlichkeit, denn die fehlt ja offenbar. Der Überblick über das Ganze ist das große Problem. Nicht Exaktheit und vollkommene Helligkeit ist zunächst anzustreben, sondern Übersichtlichkeit. … 
Die übersichtliche Darstellung vermittelt das Verständnis, welches eben darin besteht, dass wir die >Zusammenhänge sehen<. Daher die Wichtigkeit des Findend und Erfindens von >Zwischengliedern<. 
Quelle: Die grundlegenden Texte von Ludwig Wittgenstein, hrsg. von Gerd Brand 

"Spiegel, Schwert und Edelstein. Strukturen des japanischen Lebens" von Kurt Singer

Von Ralf Keuper

Nur sehr wenige westliche Autoren sind dem Rätsel der japanischen Kultur und der Mentalität der Bewohner Nippons so nahe gekommen wie Kurt Singer
Sein Buch Spiegel, Schwert und Edelstein. Strukturen des japanischen Lebens hat mittlerweile den Rang eines Klassikers. Für Donald Richie war es das beste Buch, das er jemals über Japan gelesen hatte. Damit steht Singer in einer Tradition, die im Westen mit Engelbert Kaempfer begann, dessen Buch The History of Japan, das 1727 erschien, das Fach der Japanologie begründet hat. 

Das Verhältnis der Japaner zum Ich oder zum Selbst, wie auch zur Seele, ist grundverschieden von der Art, wie Bewohner westlicher Länder für gewöhnlich  zu diesen Begriffen stehen:
Die Japaner verstehen sich vorzüglich darauf, den Flug verschiedener Vögel zu beobachten, den Ton verschiedener Regenarten, die Bedeutung eines bestimmten leichten Zuckens der Lippen oder eine kaum merkbare Veränderung des Blickes wahrzunehmen. Doch sich den eigenen Geist und die eigene Seele als eine klar erkenntliche, organisch gegliederte Einheit zu denken, ist der Vorstellung des Japaners ganz und gar fremd. Die buddhistische Lehre hat ihn darin bestärkt, die Existenz einer Seele oder eines Ichs zu leugnen. Gemütszustände, Gefühle, Willensregungen werden als bloße Geschehnisse empfunden, die weder völlig objektiv noch subjektiv sind. Wo das Denken des Japaners sich auf ein individuelles oder kollektives Selbst richtet, neigt er weniger zu Erkenntnis als zu Lob oder Herabsetzung, das erstere meist, wenn es um das nationale Selbst geht, das letztere, wenn es die eigene Person betrifft. (ebd.)
Bemerkenswert ist das Verhältnis der Japaner zum "Geist", der in der deutschen Philosophie spätestens seit Hegel geradezu monströse Ausmaße angenommen hat. Demgegenüber sind die Japaner der Naturphilosophie treu geblieben, für die Geist und Natur keine Gegensätze sind, womit sie sich in naher Verwandtschaft zu Friedrich Wilhelm Schelling, Johann Georg Hamann, Johann Wolfgang von Goethe und Giordano Bruno befinden. 
Das Verhältnis der Japaner zu Denk- und Glaubensrichtungen, die für den Europäer im stärksten Widerspruch zueinander stehen, ist erstaunlich entspannt und unverkrampft. Es oberflächlich zu nennen, würde der japanischen Mentalität nicht gerecht.

Der Widerspruch ist für die Kultur Japans auch noch in anderen Bereichen prägend, wie im Umgang mit dem Licht bzw. der Sonne. Exemplarisch dafür ist auch Lob des Schattens - Entwurf einer japanischen Ästhetik von Tanizaki Jun’ichirō. 

Verworrene und Geordnete (Novalis)

Die Verworrenen haben am Anfang mit mächtigen Hindernissen zu kämpfen, sie dringen nur langsam ein, sie lernen mit Mühe arbeiten: dann aber sind sie auch Herren und Meister für immer. Der Geordnete kommt geschwind hinein, aber auch geschwind heraus. Er erreicht bald die zweite Stufe: aber da bleibt er auch gewöhnlich stehen. Vorworrenheit bedeutet Überfluss an Kraft und Vermögen, aber mangelhafte Verhältnisse; Bestimmtheit auf richtige Verhältnisse, aber sparsames Vermögen und Kraft. Daher ist der Verworrene so progressiv, während der Ordentliche so früh als Philister aufhört. Ordnung und Bestimmtheit allein ist nicht Deutlichkeit. Durch Selbstbearbeitung kommt der Verworrene zu jener himmlischen Durchsichtigkeit, zu jener Selbsterleuchtung, die der Geordnete so selten erreicht. Das wahre Genie verbindet diese Extreme. Es teilt die Geschwindigkeit mit dem letzten und die Fülle mit dem ersten.
Quelle: Geleit auf allen Wegen. Aus dem Gesamtwerk ausgewählt von Wolfgang Kraus