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Sonntag, 31. August 2014

Schreiben als Kulturtechnik

Von Ralf Keuper

Im Wirtschaftsteil der SZ von diesem Wochenende beschäftigt sich der Autor Uwe Ritzer in dem Beitrag Schreiben? Mit der Hand! mit den Auswirkungen der nachlassenden Fähigkeit in der Bevölkerung, längere Texte noch mit Hand zu schreiben, auf Wirtschaft und Gesellschaft.
Auf wirtschaftlichem Gebiet sind von der Entwicklung, längere Textpassagen, wenn überhaupt, nur noch digital per Smartphone oder Tablet-PC zu verfassen, in erster Linie die Hersteller von Stiften und anderem Schreibgerät für die Hand wie Stabilo und Faber-Castell betroffen. Aber auch einige Forscher und, wie nicht allzu verwunderlich ist, Schriftsteller, sind besorgt, dass die Kulturtechnik des Schreibens von der Hand verloren geht. In dem Zusammenhang werden Studien erwähnt, die belegen, dass etwas, das von der Hand geschrieben wurde, besser im Gehirn verankert ist, als Texte, die über die Tastatur oder berührungssensitive Geräteoberflächen mehr oder weniger flüchtig hingeworfen werden. 

Wie nicht anders zu erwarten, regt sich gegen diese Behauptung von mehreren Seiten Widerstand. Über die Positionen der Kontrahenten geben der Beitrag ... das Ende der Handschrift? ebenso wie einige der Leserkommentare einen guten Überblick. 

Ebenfalls erwähnenswert erscheint mir auf den ersten Blick das bei Suhrkamp erschienene Buch Schreiben als Kulturtechnik - Grundlagentexte

Dass die Hand ein wichtiges Werkzeug des Geistes ist, ist, so weit ich sehen kann, in der (Hirn-)Forschung weitgehend unbestritten. Ein Wissenschaftler, der sich intensiv mit Fragen der Repräsentation als Kulturtechnik beschäftigt, ist der Kunsthistoriker Horst Bredekamp. Das Hermann von Helmholtz-Zentrum für Kulturtechnik in Berlin hat sich u.a. "der systematischen Erforschung der Wechselwirkungen zwischen wissenschaftlichen oder kulturellen Umbrüchen und technischen Neuerungen" verschrieben.

Ein weiteres Buch, das m.E. im weiteren Sinne für das Thema von Belang ist, ist Das lesende Gehirn. Wie der Mensch zum Lesen kam

Jesus und die soziale Frage (Egon Friedell)

Ein Reicher wird sich, ob er will oder nicht, mit seinen irdischen Gütern befassen müssen; der Arme ist in der glücklichen Lage, solche von Gott ablenkenden Dinge nicht zu besitzen. Der Sozialismus will aber, ganz im Gegenteil, die Armen allmählich in die Vorteile einsetzen, die heutzutage nur die Reichen genießen; und er will, dass jeder Mensch, ob arm oder reich, arbeite. Jesus hingegen stellt die Lilien auf dem Felde und die Sperlinge auf dem Dache als Vorbilder hin. Er weiß, dass im "Segen der Arbeit" ein geheimer Fluch verborgen ist: die Gier nach Geld, nach Macht, nach Materie. Der Sozialismus will die Armen reich machen, Jesus will die Reichen arm machen; der Sozialismus will, dass womöglich alle arbeiten und besitzen, Jesus sieht den idealen Gesellschaftszustand darin, dass womöglich niemand arbeitet und besitzt. Das Verhältnis des Heilands zur sozialen Frage besteht also darin, dass er sie einfach ablehnt. .. Er erblickt seine Mission darin, die Menschen zum Göttlichen zu führen; ein "sozialer Reformator" hat es aber immer nur mit der Welt zu tun. Es ist daher die größte Blasphemie, die man gegen Jesus begehen kann, wenn man ihn in eine Reihe mit jenen Zwerggeistern stellt, die die Menschheit auf nationalökonomischem Wege erlösen wollen.
Quelle: Kulturgeschichte der Neuzeit. Band 1

Sonntag, 10. August 2014

Von Menschen und Statistiken (Nicolás Gómez Dávila)

Die Menschen kommen mit einer von Tag zu Tag größer werdenden Fähigkeit zur Welt, sich perfekt in die Statistiken einzufügen.
Quelle: Es genügt, dass die Schönheit unseren Überdruss streift ... Aphorismen