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Dienstag, 17. Februar 2015

In Lübeck beginnt die "kritische Rekonstruktion" der Innenstadt

Von Ralf Keuper

Erfreuliche Neuigkeiten aus Lübeck, der "Königin der Hanse". Wie Till Briegleb in der SZ vom 16.02.2015 in Die Zukunft des Giebelhauses schreibt, hat die Stadt Lübeck mit dem Wettbewerb Gründungsviertel ein Signal mit bundesweiter Wirkung gesendet. 

Damit legt die Hansestadt ein Bekenntnis zur Kritischen Rekonstruktion ab, ein Begriff aus der Architekturtheorie, der von Josef Paul Kleihues geprägt wurde. Der "vollständige Bruch mit der historischen Altstadtstruktur" nach dem Krieg sei eine "Fehlentwicklung und erheblicher Störfaktor", so die Stadt.  

An der Ausschreibung nahmen 133 Architekturbüros aus ganz Europa teil. Die 14 siegreichen Entwürfe können in dem neuen Stadtviertel ohne zusätzliche Genehmigung realisiert werden. Nicht weniger als ein neues historisches Bewusstsein für den Städtebau zu befördern, ist das erklärte Ziel der Stadt. 

Dass die Stadt Lübeck damit richtig liegt, beweist der Wiederaufbau des Prinzipalmarktes in Münster nach dem 2. Weltkrieg. Eine weisere Entscheidung ist von der Bürgerschaft Münsters selten gefällt worden. 

In diesem Punkt muss ich Hermann Lübbe zustimmen, der in den Westfälischen Nachrichten vom 03.05.2000 schrieb:
Hier gab es noch einen unbeschädigten Bürgersinn ... Münster hat gezeigt, wie man's machen muss. Die münstersche Ablehnung modernistischer Tabula-rasa Architektur zu Gunsten eines historisierenden Aufbaus zeigt aber keine Rückwärtsgewandtheit und Zukunftsscheu. In Münster spiegelte sich die Erfahrung von Kontinuität. Und Bedeutung sowie Interesse an diesen dauerhaft wirkenden Herkunftsbeständen nimmt in einer Zeit sich rasant verändernder Lebenswelten zu, so dass die auch dem Erstbesucher dieser Stadt auffällige Herkunftstreue Münsters die Verheißung hat, ein Indiz von besonderer Zukunftsfähigkeit zu sein. (in: Münster. Wiederaufbau und Wandel. Mit 500 Abbildungen, von Bernd Haunfelder)


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