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Sonntag, 19. April 2015

Wissen oder Bildung?

Von Ralf Keuper

In dem lesenswerten Beitrag Die wahren Aufgaben der Universitäten. Echte Bildung anstatt nur Wissensvermittlung zieht Gottfried Schatz eine Trennungslinie zwischen Wissen und Bildung. Aufgabe der Bildung sei nicht in erster Linie, die Anhäufung, die Vermittlung von Wissen, sondern das Interesse am Nichtwissen zu wecken. Wissen, das einmal gelehrt wurde, erstarrt viel zu schnell und verwandelt sich in Dogmen, wenn es nicht immer wieder infrage gestellt wird.
Der Besitz von Wissen bedeutet uns weniger als die Überzeugung, dass wir Wissen stets neu schaffen können. Wissen ist ein Kind der Vergangenheit und kann in einer stetig sich wandelnden Welt nie die Zukunft sichern. Dies kann nur die ewig junge Kraft wissenschaftlichen Denkens, die in allem Gegenwärtigen die Hypothese des Zukünftigen sucht. Dazu braucht es Menschen mit neuen Ideen, die es wagen, überliefertes Wissen anzuzweifeln. Es braucht Menschen, die sehen, was jeder sieht, dabei aber denken, was noch niemand gedacht hat.
Damit keine Erstarrung eintritt bzw. sie schnell überwunden wird, ist ein Denkstil nötig, der nicht danach strebt, in den Besitz letzter Wahrheiten zu kommen, um sie dann zum höchsten Prinzip zu erklären, dem sich alle anderen zu unterwerfen haben, wie etwa Heideggers Seyn oder Hegels Weltgeist, sondern ein Denken, das nach Nichtwissen strebt, weil es daraus seinen Antrieb erhält. Nichtwissen wird in Wissen umgewandelt. Ein fortlaufender, nie endender Vorgang. Aufgabe der Bildung ist es, diesen Prozess zu unterstützen. 

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