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Donnerstag, 14. Mai 2015

Einige Anmerkungen zu "Münkler Watch"

Von Ralf Keuper

Erst relativ spät wurde ich auf die aktuelle Diskussion um den bekannten Politikwissenschaftler Herfried Münkler aufmerksam. Im Zentrum steht dabei der Blog "Münkler Watch". Der Blog wird von einem oder mehreren Studenten der Humboldt-Universität Berlin betrieben, an der Münkler den Lehrstuhl für Politische Theorie bekleidet. 

Die Autoren, die anonym sind, kritisieren auf ihrem Blog die, ihrer Ansicht nach, sexistischen, rassistischen, eurozentristischen und militaristischen Äußerungen Münklers während seiner Vorlesungen. 

Das Echo auf die Aktivitäten der Studenten in den Medien fällt unterschiedlich aus. So weit ich es beurteilen kann, überwiegt die Kritik. 

Stellvertretend dafür:
Mehr oder weniger neutrale Positionen:
Unterstützung für den Watch-Blog:
Münkler war schon in der Vergangenheit keineswegs unumstritten. Seine Äußerungen in der Schuldfrage des 1. Weltkrieges blieben nicht ohne Widerspruch. Sein Interview mit der FAZ vor wenigen Wochen, in dem es u.a. um den Einsatz von Kampfdrohnen ging, kommentierte World Socialist Web Site mit dem Beitrag Herfried Münkler preist Kampfdrohnen und Giftgas als „humane“ Waffen kritisch. 
Unstrittig ist wohl, dass Münkler zum Zynismus neigt und sein Humor gewöhnungsbedürftig ist, was für sich genommen keine Argumente sind, die gegen seine Glaubwürdigkeit als Wissenschaftler sprechen. 

Das Online-Magazin IPG bescheinigte Münkler unlängst eine Produktivität, die an die eines mittelprächtigen US-Think Tanks heranreiche; was als Kompliment gemeint war. Münkler ist in den Medien präsent, wie nur wenige Wissenschaftler in Deutschland. Insofern überrascht es nicht, wenn einige von ihnen dem Watch-Blog nur wenig Sympathie entgegenbringen, wie Medienvertreter sich überhaupt noch schwer tun mit dieser Form öffentlicher Meinungsäußerung. 

Ein Professor, der medial so präsent ist wie Münkler, wird damit leben müssen, wenn er selber über alternative Kanäle in die Kritik gerät. Das bedeutet nicht, dass man die Studierenden deshalb in den Rang von Freiheitskämpfern erheben muss - ebenso aber halte ich die Bezeichnung von Trotzkisten für unangebracht. Das ist in beiden Fällen überzogen. 

Ganz so falsch scheint mir Peter Nowak auf Telepolis nicht zu liegen, wenn er davon spricht, dass es sich bei Münkler-Watch um eine neue Form des Studentenprotestes in der Digitalmoderne handeln könnte. Wissenschaft lebt von Kritik. In Münklers Vorlesungen war dafür, nicht nur nach Ansicht der Studenten, wenig Raum; was aber nicht nur ein Problem von Münkler ist. 

In dem aktuellsten Beitrag Münkler-Watch: Klasse, Herr Münkler! Es geht doch! zeigt sich der Blog erfreut über die jüngste Vorlesung Münklers. 

Vielleicht finden die Seiten ja doch noch zu einem Dialog - ganz ohne Blog.

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