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Sonntag, 15. November 2015

Der Impressionismus im Wandel der Zeit

Von Ralf Keuper

In diesem Jahr haben sich in Deutschland einige Ausstellungen mit der Geschichte und Bedeutung des Impressionismus beschäftigt, darunter:

Japans Liebe zum Impressionismus. Von Monet bis Renoir in der Bundeskunsthalle Bonn. 


Impressionismus - Expressionismus. Kunstwende in der Alten Nationalgalerie Berlin


Monet und die Geburt des Impressionismus im Städel-Museum Frankfurt.


Den Denkstil des Neoimpressionismus beschrieb Nello Ponente am Beispiel von Pissaro:
Dem Verhältnis Pissaros zur Wissenschaft liegt eine Idee zugrunde: er ist ein Sozialist, der an den Fortschritt zur Verbesserung der sozialen Gegebenheiten glaubt; denn die Wissenschaft kann das mühsame Dasein des Menschen erleichtern und durch die Logik ihres Verfahrens auch der Gesellschaft eine logische Struktur geben. Diese menschliche Seite des wissenschaftlichen Idealismus Pissaros spiegelt sich in seiner Malerei schon zur Zeit des Impressionismus. Fénéon hat von ihm gesagt, er habe "dem Neoimpressionismus seine mathematische Strenge der Analyse und die Autorität seines Namens zugebracht"; diese Bemerkung ergänzt Lionello Venturi, wenn er sagt, Pissaro habe vor allem durch seine gläubige und impulsive Menschlichkeit gewirkt. Der Divisionismus Pissaros ist jedoch nicht streng hieratisch streng wie der Seurats, denn er bleibt dem dreidimensionalen malerischen Raum treu; die Intensität des Lichtes aber ist das Ergebnis einer phantasievollen Intuition, welcher eine äußerste Geometrisierung des Raumes nicht entsprechen würde. Pissaro übernimmt zwar Theorie und Technik des Divisionismus, sucht aber mehr die Verschmelzung der Töne als die gleichzeitigen Kontraste. Im übrigen war dieses Experiment für ihn nicht von langer Dauer, denn er begann schon 1890 sich von ihm zu entfernen (in: Die Struktur der modernen Welt. 1850 - 1900)
Aber nicht nur die Vertreter des Neoimpressionismus erprobten neue Verfahren, auch die Impressionisten der ersten Stunde, wie Monet und Renoir, begannen mit neuen Methoden zu experimentieren:
Renoir bekennt an einem gewissen Punkt, dass er sich "in einer Sackgasse" befinde; als er 1881 nach Italien reiste, entdeckte er in Rom das, was er "die Weisheit Raffaels" nannte, und der Tribut, den er ihr auf dem Wege über Ingres zu schulden glaubte, belastete sein bisher problemloses Schaffen. Er hielt es aber nicht lange in dieser Zwangslage aus und fand schon 1885 den Weg in die Freiheit zurück. Selbst Monet, der Impressionist im eigentlichen Sinne, analysiert die Lichtwirkungen immer methodischer; im Hinblick auf den Impressionismus bemerkte er schon 1880, dieser sein einst eine Kirche gewesen und nun zu einer banalen Schule geworden, die allen offen stehe. .. Und doch bleibt der Impressionismus für alle Maler, auch wenn sie völlig andere Lösungen suchen wie Gauguin, van Gogh, Toulouse-Lautrec, ein einmaliger geschichtlicher Augenblick, denn ihm ist der erste entschlossene Bruch mit der Tradition gelungen, er hat den ersten Schritt zur Überwindung der objektiven Außenwelt getan, die fortan nicht mehr gegeben ist, sondern durch die Innenwelt des Künstlers, durch ein neues Bewusstsein ersetzt wird (ebd.).

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