Meine Blog-Liste

Sonntag, 29. März 2015

John Rawls über den Wert der Abstraktion

Es ist ein Fehler, zu glauben, daß abstrakte Konzeptionen und allgemeine Grundsätze gegenüber konkreteren Urteilen stets den Ausschlag geben. Diese beiden Seiten des praktischen Denkens .. ergänzen einander und müssen so lange aneinander angepaßt werden, bis sie sich zu einer kohärenten Auffassung zusammenfügen.
Die Arbeit des Abstrahierens ist demnach nicht ohne Grund: sie ist keine Abstraktion um der Abstraktion willen. Vielmehr bietet sie die Möglichkeit, die öffentliche Diskussion fortzuführen, wenn gemeinsame Überzeugungen, die weniger allgemein sind, sich als nicht länger tragfähig erwiesen haben. Wir müssen damit rechnen, daß wir, je tiefer ein Konflikt reicht, um so höher in die Abstraktion hinaufsteigen müssen, um einen klaren und unverstellten Blick auf seine Wurzeln zu bekommen.
Quelle: Politischer Liberalismus  

Samstag, 28. März 2015

Neue Theorien der Ökonomie dringend gesucht / Sozialphilosophische Grundlagen ökonomischen Handelns

Über twitter, genauer über den Sonntagssoziologen, wurde ich auf den Beitrag Neue Theorien der Ökonomie dringend gesucht aufmerksam. 

Hörens-und nachdenkenswert.


Auszug:
Es ist also zu fragen: (A) Welches sind die Konzepte des Ökonomischen in Theorieform .. (B) Welche sachlichen Veränderungen aller Theorie vorgegebenen Realität sind in der Mitte des 18. Jahrhunderts anzunehmen, die dann ihrerseits die Revolution der Denkart bei der Begründung der modernen Wirtschaftswissenschaften nötig gemacht haben? Dasselbe anders formuliert: Welches ist die Struktur und Verfassung der Gesellschaft der alteuropäischen Welt, und welches ist die der neuzeitlichen Handlungswirklichkeit?
Weitere Informationen:

Mit Vielfalt aus der Krise

Einige interessante Beiträge der letzten Zeit aus dem Bereich Philosophie und Wissenschaft #7

Von Ralf Keuper

Erneut eine kurze Aufstellung von Beiträgen aus den Bereichen Philosophie und Wissenschaft, die mir in den vergangenen Tagen aufgefallen sind:

Sonntag, 22. März 2015

Korallenriffe - Paradiese im Meer

Wer zum ersten Mal an einem Korallenriff getaucht hat, wird es niemals vergessen. Schon allein die Bewegung in dem sonnendurchfluteten, klarem Wasser, das Korallen bevorzugen, ist ein Vergnügen. Nichts gibt es an Land, das einen auf die Fülle von Formen und Farben der Korallen vorbereitet. Sie gleichen zart blau überhauchten Gewölben, Fächern und Geweihen oder auch blutroten Orgelpfeifen. Einige sehen wie Blumen aus, streicht man jedoch darüber, sind sie hart wie Stein. Häufig wachsen verschiedene Korallenarten nebeneinander, vermischt mit Seefedern und See-Anenomen, deren lange Tentakeln in der Strömung wogen. Manchmal schwimmt man über große Wiesen von Korallen, die nur einer Art angehören. Dann wieder entdeckt man im tieferen Gewässer einen mit Fächern und Schwämmen behängten Korallenturm, der sich weiter erstreckt, als man in der dunkelblauen Tiefe zu sehen vermag.
Aber wenn man nur am Tag schwimmt, wird man kaum die Organismen zu Gesicht bekommen, die diese erstaunliche Szenerie hervorgebracht haben. Nachts, mit einer Taschenlampe in der Hand, sieht man die Korallen verändert. Die scharfen Konturen der Kolonien sind jetzt von einem schillernden Farbenspiel verschleiert. Millionen winziger Polypen recken sich aus den Kalkgehäusen, und ihre feinen Tentakeln suchen nach Nahrung.
Die Korallenpolypen haben nur einen Durchmesser von wenigen Millimetern, aber sie arbeiten in Kolonien zusammen und haben die größten tierischen Bauten geschaffen, ehe der Mensch überhaupt zu bauen begann. Das Great Barrier Reef, das über 2000 Kilometer parallel zur australischen Ostküste verläuft, ist sogar vom Mond aus zu erkennen. Wäre vor etwa 500 Millionen Jahren ein Astronaut eines anderen Planeten an der Erde vorbeigeflogen, hätte er im blauen Ozean leicht einige neue, rätselhafte türkisfarbene Gebilde beobachten können und hätte den Schluss gezogen, dass das Leben auf der Erde begonnen habe.
Quelle: David Attenborough. Das Leben auf unserer Erde. Vom Einzeller zum Menschen. Wunder der Evolution.

Sonntag, 15. März 2015

Die Vielfalt menschlicher Existenz mit Erfindungsreichtum und Kreativität ist und bleibt an Technologie gebunden

Die Vielfalt menschlicher Existenz mit Erfindungsreichtum und Kreativität ist und bleibt an Technologie gebunden. Technologie bestimmt unsere Zeit sowie unsere Stellung in der Natur und hat es schon seit den frühesten Anfängen getan. Wahrscheinlich gab es keinen einzigen Zeitraum, in dem man Technologie, so einfach sie gewesen sein mag, nicht intensiv nutzte. Da ihre Auswirkungen aber immer stärker werden, müssen wir sicher gehen, dass sie dem Ziel eines öko-biologisch gesunden Planeten untergeordnet wird. Wir stammen von dieser Erde und wir werden in sie wieder eingehen, unabhängig von allen ausgeklügelten Verdrängungsmechanismen, die verhindern, dass wir unser endgültiges Schicksal erkennen.
Quelle: Jonathan Kingdon: Und der Mensch erschuf sich selbst. Das Wagnis der menschlichen Evolution

Mittwoch, 11. März 2015

Das Schicksal der Schwabenkinder - Sklaverei im Europa der Neuzeit

Von Ralf Keuper

Das Schicksal der Schwabenkinder ist ein besonders dunkles Kapitel in der Geschichte der Kindheit (Philippe Ariès). Bedrückend daran ist vor allem, dass diese Unsitte, Kinder als Arbeitskräfte ohne Rechte, öffentlich, wie auf dem Viehmarkt, an den meistbietenden Bauern zu verhökern, noch bis in die 1930er Jahre anhielt. Erst richtig ins öffentliche Bewusstsein drang die Geschichte der Schwabenkinder durch den gleichnamigen Film.


Bei den Schwabenkindern handelte es sich um Kinder von Bergbauern aus Voralberg, Tirol und Südtirol, die von ihren Eltern aus finanziellen Gründen für mehrere Monate als Arbeitskräfte nach Oberschwaben geschickt wurden. Dort verrichteten die Kinder, die zwischen acht (manchmal auch fünf) und dreizehn Jahren alt waren, zumeist auf Bauernhöfen als Kuhhirten, Knechte oder Mägde ihre Arbeit verrichteten. Nicht selten erledigten sie das Tagwerk von Erwachsenen. Immer wieder kam es zu Misshandlungen. Die Verpflegung ebenso wie die Unterbringung waren häufig inhuman. Überflüssig zu erwähnen, dass die Kinder während ihres Sklavendienstes keine Schule besuchten.


Die öffentliche Versteigerung der Schwabenkinder endete zwar 1914, u.a. auch auf Druck von Berichten im Ausland, wie in den USA, jedoch ging die Kinderarbeit noch bis 1940 weiter. 

Wahrlich kein Ruhmesblatt. Ganz abgesehen davon, dass Kinderarbeit in anderen Regionen der Welt noch immer ein Thema ist. 

Weitere Informationen:

Die Schwabenkinder (Dauerausstellung)

Sonntag, 8. März 2015

Der Totalumbau des Bildungssystems durch die Techniken des Controlling (Pierangelo Maset)

Der Totalumbau des Bildungssystems durch die Techniken des Controlling, die in den Institutionen allgegenwärtig sind und eine zerstörerische Allianz mit den von Beratern beeinflussten Bildungspolitikern formieren, ist für das Geistesleben eine tödliche Bedrohung. Was heute passiert, ist die zunehmende Eliminierung durch die Maßgaben des Controllings, die die Betroffenen in der Regel auch noch selbst erarbeiten müssen. Alle hängen am Tropf, wir erbauen unser mentales Gefängnis und sorgen dafür, dass es ein Hochsicherheitstrakt wird. Die falsche "Vision" der von Beratern beratenen Institutionen ist es, durch technische "Scharfstellung" Bildungsprozesse unter Kontrolle zu bringen und dann das Letzte an "Output" herauszuholen. Im Grunde stören die Lehrenden und Lernenden dabei als unberechenbare Einheiten, die für dieses Modelldenken weitaus zu unberechenbar handeln. Effektiver wären technische Lösungen im fortgeschrittenen dreidimensionalen E-Learning, die die Unwahrscheinlichkeit pädagogischer Interaktion stark limitiert, damit am Ende mehr "Messbares" herauskommt. 
Quelle: Geistessterben. Eine Diagnose 

Faszination Orient: Das Leben des Max von Oppenheim

Von Ralf Keuper

Max von Oppenheim gilt, obwohl er kein "richtiger" Archäologe war, als einer der Begründer der Orientforschung im Westen. Mit der Entdeckung der Siedlung Tell Halaf im Norden Syriens gelang ihm eine echte "Sensation", die ihn zugleich berühmt machte. Von großem Vorteil für seine Forschungen war, dass er die arabische Sprache beherrschte und mit der Kultur wie überhaupt der Lebensweise der Beduinen bestens vertraut war; ähnlich wie sein, wenn man so will, Antipode, Lawrence von Arabien, dem er auch einmal persönlich begegnete. Günstig für die Durchführung seiner Projekte war auch der Umstand, dass er als Spross der Kölner Bankiersfamilie von Oppenheim über die nötigen finanziellen Mittel verfügte. 


Nachdem seine Forschungen über mehrere Jahrzehnte in Vergessenheit geraten waren, kam es im Zuge der Wiedervereinigung nach 1989 zu einer Wiederentdeckung. Seitdem haben sich mehrere Ausstellungen Leben und Werk von Max von Oppenheim gewidmet. 

Weitere Informationen:

Hexenwahn im Mittelalter (Filmdokumentation)

Von Ralf Keuper

Die Hexenverfolgung im Mittelalter zählt zu den dunkelsten Kapitel der europäischen Geschichte. Man geht heute davon aus, dass bis zu 60.000 Menschen wegen Hexerei verbrannt oder zu Tode gefoltert wurden, davon allein 25.000 im damaligen Deutschen Reich. Nur wenige überstanden die Torturen oder konnten fliehen. 

Anders als häufig noch angenommen, stand die katholische Kirche der Hexenverfolgung zunächst ablehnend gegenüber. Es herrschte in Kirchenkreisen Einigkeit darüber, dass es sich hierbei lediglich um Wahnvorstellungen handele, die Menschen also schlimmstenfalls "verrückt" waren. 
Später änderte die katholische Kirche jedoch ihre Einstellung. Auch Luther begrüßte die Hexenverfolgung ausdrücklich. Ausführendes Organ bei der Exekution der Urteile, war die Staatsgewalt. 

Am Beispiel von Bamberg, wo der Fürstbischof eine ausgesprochen harte Linie gegen die der Hexerei beschuldigten Personen führte, wird das Ausmaß der damaligen Hysterie deutlich. Zehn Prozent der Bevölkerung fielen der Hexenverfolgung zum Opfer, darunter der gesamte Stadtrat jener Zeit. 

Eigentlicher "Vater" oder "Spiritus Rector" des Hexenwahns war ausgerechnet Thomas von Aquin

Der eifrigste Hexenverfolger war der Dominikanermönch Heinrich Kramer, dessen Werk Hexenhammer dem Wahn zum Durchbruch verhalf. Die Hysterie wurde noch durch äußere Ereignisse befördert, für die man schnell die Hexen verantwortlich machte, wie im Fall der "Kleinen Eiszeit", in deren Folge es zu großen Ernteausfällen und Hungersnöten kam. 

Bereits nach damaliger Rechtsprechung war die Folter auf Verdacht rechtswidrig. Das hinderte jedoch die weltlichen und kirchlichen Machthaber nicht, für die Hexerei eine Ausnahme geltend zu machen. Als die Kosten für die Folterungen, Vernehmungen und Verbrennungen überhand nahmen, ging man dazu über, das Vermögen der Opfer zur Deckung der Ausgaben heranzuziehen. 

Eine der wenigen Stimmen der Vernunft jener Zeit, war die des Jesuiten Friedrich von Spee. Wie Heinz Dieter Kittsteiner in seinem Buch Die Stabilisierungsmoderne hervorhebt, sorgte von Spee mit seiner Schrift Cautio Criminalis für einen, wenn auch langsamen, Bewusstseinswandel in der Bevölkerung wie auch unter den Theologen und Landesherren.

Update:

Neueste Forschungen, u.a. auf Basis des Flamersheimer Hexenprotokolls, gehen inzwischen allein für Deutschland von 60.000 Opfern aus. Siehe auch den Leserkommentar.

Samstag, 7. März 2015

Einige interessante Beiträge der letzten Zeit aus dem Bereich Philosophie und Wissenschaft #4

Von Ralf Keuper

Erneut eine kurze Aufstellung von Beiträgen aus dem Bereich Philosophie und Wissenschaft, die in mir in den letzten Tagen aufgefallen sind:

iCar: Volvo, Continental und ZF bieten sich an

Von Ralf Keuper

Noch immer ist unklar, ob Apple in einigen Jahren tatsächlich ein eigenes Auto (Arbeitstitel "iCar") herstellen wird, da laufen sich schon die ersten Vertreter aus der Automobilwert warm und bieten Apple ihre Unterstützung an, wie Volvo, Continental und ZF

Wie ist es zu werten, wenn namhafte Automobilhersteller und Zulieferer sich unaufgefordert als Partner für das iCar empfehlen? Ist das eine Absetzbewegung, d.h. man löst sich langsam aber sicher aus der Abhängigkeit von den großen Herstellern, wie Daimler, Volkswagen, Toyota & Co.? - getreu dem Motto: Wir setzen lieber auf den Gewinner, als auf die Verlierer?

Jedenfalls ist es schon bemerkenswert, was eine, von Apple bisher unbestätigte, Ankündigung bewirken kann ;-)

Weitere Informationen:

Das Automobil - vom Abstieg eines Superstars

Hat Deutschland noch das richtige "Geschäftsmodell"?

Mittwoch, 4. März 2015

Jahrhundertentdeckung Quantentheorie (Victor Weisskopf)

Die Quantentheorie .. stellte tatsächlich einen Vorstoß ins Unbekannte dar; mit ihrer Hilfe dringt man in eine Welt von Phänomenen ein, die sich nicht in das Vorstellungsgebäude der Physik des vergangenen Jahrhunderts einfügen lassen. Um die Quantentheorie zu begründen und weiterzuentwickeln, musste man eine neue physikalische Sprache und Denkweise schaffen. Durch sie erschloss sich der Einsicht des Menschen die Welt der Atome und Moleküle mit ihren diskreten Energiezuständen, charakteristischen Spektren und chemischen Bindungen. Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass sich die Physik zu Beginn dieses Jahrhunderts (Anm. des 20. Jhd.) radikal verändert hat. Und diese Veränderung geht auf die Quantentheorie zurück. ...
Wenn wir .. versuchen, die Einzelheiten des Quantenzustands mit einem leistungsfähigen Beobachtungsinstruments zu untersuchen, führen wir ihm zwangsläufig viel Energie zu. Die charakteristischen Quanteneigenschaften gehen dann verloren. Die unvermeidliche Grobschlächtigkeit unserer Beobachtungsmethoden - das Licht kommt wie jede andere Energie in Form von Quanten an - macht genaue Beobachtung im alten Sinn des Wortes unmöglich. Genau dies ist die Grundlage der berühmten Unbestimmtheitsrelationen, die Heisenberg 1927 formulierte, als er mit Bohr in Kopenhagen zusammenarbeitete. ...
Die große Entdeckung der Quantenphysik sind .. individualisierte Quantenzustände. Jeder bildet ein unteilbares Ganzes, solange nicht Beobachtungsmethoden in ihn eingreifen und ihn stören. Jeder Versuch, die Bestandteile des Atoms zu beobachten, setzt Mittel mit so hohen Energien ein, dass sie unausweichlich die Struktur des Quantenzustands zerstören. 
Quelle: Victor Weisskopf - Die Jahrhundert-Entdeckung: Quantentheorie. Eine kurze Geschichte über Elektronen, Protonen, Quarks und andere kleinste Teilchen  

Dienstag, 3. März 2015

Hat Deutschland noch das richtige "Geschäftsmodell"?

Von Ralf Keuper

Angesichts der aktuellen "Performance" der deutschen Wirtschaft scheint es müßig, darüber nachzudenken, ob denn das Geschäftsmodell unserer Volkswirtschaft wirklich so gut ist, wie es die Zahlen, jedenfalls für viele, nahezulegen scheinen. 
Dass es sich hierbei keineswegs nur um eine rein akademische Diskussion handelt, zeigen nicht zuletzt die jüngsten Sparmaßnahmen von VW sowie die Haltung der anderen deutschen Automobilhersteller, die trotz hoher Gewinne nicht so recht in Jubellaune fallen wollen, wie Thomas Fromm in der SZ vom 02. März 2015 in Alarmstufen schreibt. Die Stimmung vermiest hat - wie in anderen Branchen zuvor - Apple und die Gerüchte, dass das Unternehmen demnächst mit einem iCar in das Automobilgeschäft einsteigen könnte. Ähnliche Ziele verfolgt Google bereits seit Jahren, ohne so richtig von der Stelle zu kommen. Sollte Apple jedoch tatsächlich bis 2020 ein eigenes (selbstfahrendes) Automobil auf die Straße bringen, dann könnte damit für die Paradedisziplin der deutschen Wirtschaft ein epochaler Wandel anbrechen. Schon nehmen die Automobilhersteller mit Sorge zur Kenntnis, dass Apple derzeit auffallend viele Autoexperten abwirbt. Vor einigen Tagen ging das Gerücht um,  Apple könne den innovativen Automobilhersteller Tesla kaufen. Das Geld dazu hat Apple allemal. Sie könnten auch locker Daimler oder BMW kaufen. 

Die Fahrzeuge der deutschen Premiumhersteller zeichnen sich nicht gerade durch niedrige Preise und geringen Spritverbrauch aus. Ohne Absatzfinanzierung und Firmenwagen sähe die Bilanz wohl nicht ganz so gut aus. Der Kostenapparat bei den Herstellern und Zulieferern, die "sunk costs", sind schon jetzt immens, die Pfadabhängigkeit ganzer Regionen von der Automobilwirtschaft, wie Stuttgart, München und Wolfsburg, ist beträchtlich und erinnert an die Monostruktur im Ruhrgebiet während der "guten Jahre".

Bisher hat die deutsche Wirtschaft noch immer rechtzeitig auf die sich verändernde Umwelt, auf neue Technologien reagiert. Jedoch liegt die Stärkte der deutschen Wirtschaft traditionsgemäß in der Anwendung und weniger in der Erfindung bzw. Entwicklung neuer Produkte und Technologien. Ein nicht zu unterschätzender Nachteil in der digitalen Wirtschaft. Hier kommen die Neuerungen fast ausschließlich aus den USA und verstärkt aus Asien; selbst Afrika ist hier dynamischer. 
Wie kann die deutsche Wirtschaft ihre Stärke in der Anwendung und Verfeinerung bestehender Technologien in der Digitalisierung zur Entfaltung bringen? Was für Anwendungsfälle sollten das sein - im Automobilbau, Telekommunikation, Medien, Unterhaltungselektronik, in der Softwareentwicklung, im Handel und vielleicht auch demnächst im Maschinenbau? Im Bereich Medien ist selbst Bertelsmann nur noch zweite Liga, in der Unterhaltungselektronik sieht es noch schlechter aus, in der Softwareentwicklung hat lediglich SAP noch Weltformat und in der Herstellung von Smartphones spielen deutschen Hersteller von schon lange keine Rolle mehr. Von anderen mobilen Endgeräten ganz zu schweigen. Kann es sein, dass unser Geschäftsmodell zu industrielastig ist? 

Kaum. Denn die Industrie ist heute selber von neuen Kommunikationstechnologien durchdrungen, dass die Trennung von Industrie und digitale Ökonomie künstlich ist, wie u.a. Birger Priddat in Die Modernität der Industrie schreibt. Eine Spitzenposition nimmt Deutschland noch immer in der chemischen Wirtschaft ein. 

Trotzdem muss Deutschland aufpassen, dass es nicht zur verlängerten Werkbank mutiert, was aufgrund unserer Lohn- und Produktionskosten ohnehin kaum realisierbar ist. Die Automobilindustrie, wie wir sie kannten und noch kennen, wird es auf Dauer nicht mehr geben. Es wird, ob durch Apple, Tesla, Google oder wen auch immer, zu deutlichen Macht- und Marktverschiebungen kommen. Die deutschen Hersteller und ihre Zulieferer werden sich darauf einstellen müssen. 

Wir brauchen stattdessen neue "Geschäftsfelder", die zu unseren Stärken in der Anwendung und Optimierung, zu unserem Wirtschaftsstil passen. Oder brauchen wir auch einen neuen Wirtschaftsstil?

Weitere Informationen: 




Sonntag, 1. März 2015

Praktisches "Ich kann" (Edmund Husserl)

In Beziehung auf meine zentripetalen Ichakte habe ich das Bewusstsein des "Ich kann". Es sind Tätigkeiten, und in ihrem Ablauf liegt eben nicht ein bloß dahinlaufendes Geschehen vor, sondern immerfort ist der Ablauf aus dem Ichzentrum hervorgegangen, und solange das der Fall ist, reicht das Bewusstsein des "ich tue", "ich handle". Wird das Ich durch irgend eine Affektion anderweitig "fortgerissen", "gefesselt", so ist das eigentliche "ich tue" durchbrochen, das Ich ist als tätiges gehemmt, es ist unfrei, "bewegt, nicht bewegend". Im Falle der Freiheit besteht für die künftigen im unmittelbaren Horizont liegenden Phasen des Tuns in Beziehung auf den Horizont unerfüllter praktischer Intentionen das Bewusstseins des freien "ich kann" und nicht das bloße Bewusstsein "es wird kommen", "es wird geschehen". 
Quelle: Wissenschaft und Weltanschauung, in: Edmund Husserl. Arbeit an den Phänomenen. Ausgewählte Schriften

Helden der Aufklärung - Die Macht des Wissens (Filmdokumentation)

Von Ralf Keuper

Die arte Dokumentation Helden der Aufklärung - Die Macht des Wissens stellt am Beispiel einiger herausragender Persönlichkeiten die Verbreitung aufklärerischen Gedankenguts in der Gesellschaft der letzten gut dreihundert Jahre vor. 



Darunter Isaac Newton, Erasmus Darwin, Großvater von Charles Darwin, der Enzyklopädist Denis Diderot, der erste hauptberufliche Intellektuelle, Voltaire, und der portugiesische Staatsmann, Marquis de Pombal
Weitere Repräsentanten der Aufklärung in dem Film sind Marie Jean de Condorcet, Thomas Jefferson und Friedrich der Große. 

Über die Auswahl des Personenkreises kann man streiten. Friedrich der Große ist für mich nicht wirklich eine Zierde der Aufklärung. Das gilt dafür um so mehr für Immanuel Kant sowie Wilhelm und Alexander von Humboldt, um nur einige zu nennen. 

Dennoch vermittelt der Film einen guten Überblick bzw. Einstieg - nicht mehr und nicht weniger.