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Samstag, 4. März 2017

Magellans genialer Irrtum

Immer kann, wenn vom Genius berührt, wenn vom Zufall geführt, auch aus dem narrenhaftesten Irrtum eine höchste Wahrheit entstehen. Zu Hunderten und Tausenden zählen die wichtigen Erfindungen, die auf jedem Gebiet der Wissenschaft von falschen Hypothesen hervorgerufen worden sind. Nie hätte Columbus sich ins Weltmeer gewagt ohne jene Karte Toscanellis, die absurd falsch den Erdumfang berechnete und ihm vortäuschte, in kürzester Zeit an der Ostküste Indiens landen zu können. Nie hätte Magellan einen Monarchen überreden können, ihm eine Flotte zu übergeben, hätte er nicht mit solcher narrenhaften Sicherheit an jene unrichtige Karte Behaims und jene phantastischen Berichte der portugiesischen Piloten geglaubt. Nur indem er ein Geheimnis zu wissen glaubte, konnte Magellan das größte geographische Geheimnis seiner Zeit lösen. Nur weil er sich mit ganzer Seele hingab an einen vergänglichen Wahn, entdeckte er eine unvergängliche Wahrheit.
Quelle: Stefan Zweig: Magellan. Der Mann und seine Tat 

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